Sonntag, 19. Februar 2017

Rezension: Elena Ferrante - Die Geschichte eines neuen Namens

OT: Storia del nuovo cognome
Übersetzung: Karin Krieger
Preis Ebook: 21,99 €
Preis Hardcover: 25,00 €
Seitenanzahl: 624 Seiten
 
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3518425749
Erscheinungsdatum: 10. Januar 2017
Genre: Roman
Reihe: Band 2/4

Klappentext Lila und Elena sind sechzehn Jahre alt, und sie sind verzweifelt. Lila hat noch am Tage ihrer Hochzeit erfahren, dass ihr Mann sie hintergeht – er macht Geschäfte mit den allseits verhassten Solara-Brüdern, den lokalen Camorristi. Für Lila, arm geboren und durch die Ehe schlagartig zu Geld und Ansehen gekommen, brechen leidvolle Zeiten an. Elena hingegen verliebt sich Hals über Kopf in einen jungen Studenten, doch der scheint nur mit ihren Gefühlen zu spielen. Sie ist eine regelrechte Vorzeigeschülerin geworden, muss aber feststellen, dass das, was sie sich mühsam erarbeitet hat, in ihrer neapolitanischen Welt kaum etwas gilt. 

Trotz all dieser Widrigkeiten beharren Lila und Elena immer weiter darauf, ihr Leben selbst zu bestimmen, auch wenn der Preis, den sie dafür zahlen müssen, bisweilen brutal ist. Woran die beiden jungen Frauen sich festhalten, ist ihre Freundschaft. Aber können sie einander wirklich vertrauen? 

"Meine geniale Freundin" war vergangenes Jahr eins meiner Highlights. Umso mehr freute ich mich auf den Folgeband und darüber, dass dieser mit seinen 624 Seiten rund 200 Seiten mehr von Lila und Lenu beinhaltete. Die erste Seite des Buches beginnt da, wo das vorherige Buch endete. Lila ist nun verheiratet. Was sich in Band 1 bereits andeutete, wird gleich zu Beginn in "Die Geschichte eines neuen Namens" zur bitteren Gewissheit. Die Hochzeit mit Stefano war ein großer Fehler. Er unterdrückt seine Frau, schlägt sie. Lila fordert dies mit ihrem Sturkopf zusätzlich heraus, ist todunglücklich. Durch ihre Hochzeit erlangte Lila Ansehen und Reichtum und teilt diesen gerne mit Lenu oder ihren anderen Freunden. Doch ihre Traurigkeit ist zu jeder Zeit spürbar.

"Wir waren mit der Vorstellung aufgewachsen, dass ein Fremder uns keinesfalls anrühren durfte, dass aber unser Vater, unser Verlobter, unser Ehemann uns ohrfeigen durfte, wann immer er wollte, aus Liebe, um uns zu erziehen und uns zu bessern." (S.64)

Nachdem mich schon der erste Band der Neapolitanischen Saga sehr berührte, empfand ich diesen zweiten Band als noch emotionaler. Er traf mich bis ins Mark, ich fühlte mit Lila, Lenu aber auch den unzähligen anderen Frauen des Rione. Die Gewalt, die Verzweiflung ist in diesem Band allgegenwärtig und auffälliger als im ersten Band. Die Angst vor Schlägen, sogar vor der Ermordung durch Ehemann, Bruder oder Vater erschütterte mich beim Lesen sehr. Das Schicksal der Frauen ist authentisch und deshalb umso tragischer. Sie haben keinerlei Entscheidungsfreiheit, keinerlei Recht auf eine eigene Meinung. Was daraus resultiert sind Verzweiflung und Verbitterung. Als Lenu die Frauen aus dem Rione beobachtet, kommt ihr folgender Gedanke:


"Und, du lieber Himmel, sie waren zehn oder höchstens zwanzig Jahre älter als ich. Trotzdem hatten sie die femininen Züge schon verloren, auf die wir Mädchen so großen Wert legten (...). Sie waren von den Körpern ihrer Männer, Väter und Brüder aufgezehrt worden, denen sie immer ähnlicher wurden, oder von der vielen Arbeit, dem nahenden Alter, von Krankheiten. Wann setzte diese Verwandlung ein?" (S. 130)

Die Frauen in diesem Buch heiraten aus vielerlei Gründen, jedoch selten aus Liebe. Meist lernen sie die wahre Liebe nach der Hochzeit kennen, doch den Mann zu verlassen kommt natürlich nicht in Frage. Die Verzweiflung wird tiefer, die Traurigkeit ebenfalls.

Doch auch die normalen Probleme junger Menschen kommen hier wieder nicht zu kurz. Das Respektieren des eigenen Körpers, die Angst, dumm zu wirken, enttäuschte Liebe und  Hoffnung bezüglich der Zukunft...all dies sind Themen in diesem Buch.

Die Charaktere entwickeln sich allesamt weiter, was mir hier besonders positiv aufgefallen ist. Die Kinder werden erwachsen, durch ihre Schicksale und ihre Erfahrungen lernt man auch deren Eltern besser verstehen. Es gibt eine Szene, in welcher Lenu ihre neuen Schulbücher auspackt und ihre Mutter ins Zimmer kommt. Diese bricht beim Anblick der Bücher in Tränen aus und verlässt den Raum. Genauer wird dieses Verhalten nicht betrachtet, doch als Leserin kam ich nicht umhin, mir Fragen zu diesem Verhalten zu stellen. Reagiert die Mutter so emotional, weil es ihr nicht möglich ist Lenu neue Bücher zu kaufen? Wird sie an ihren eigenen, verwehrten Wunsch zu Lernen erinnert? Sind es Eifersucht, Wehmut oder einfach nur Traurigkeit die die Tränen verursachen?

Fazit: Ich könnte unzählige weitere Szenen aus diesem Buch aneinanderreihen und meine Gefühle dazu beschreiben, doch das würde den Rahmen sprengen. Insgesamt bleibt mir zu sagen, dass der zweite Band dieser vierteiligen Reihe dem ersten in nichts nachsteht. Ich empfand ihn als noch emotionaler, noch eindringlicher als den Auftakt und kann dieses Buch letzten Endes nur weiterempfehlen.

Samstag, 18. Februar 2017

Rezension: Peter Swanson - Die Gerechte

OT: The Kind Worth Killing
Übersetzung: Fred Kinzel
Hörbuchsprecher: Christiane Marx, Britta Steffenhagen, Oliver Brod, Uve Teschner
Preis Hörbuch: 11,49 €
Preis Ebook: 9,99 €
Preis Taschenbuch: 12,99€

Seitenanzahl: 416 Seiten / 9h 13 Min (gekürzte Fassung)
Verlag: Random House Audio
ISBN: 978-3837137217
Erscheinungsdatum: 16. Januar 2017
Genre: Thriller
Reihe: Einzelband

Klappentext Eine Flughafenbar in London. Es ist Abend, und Ted Severson wartet auf seinen Rückflug nach Boston, als sich eine attraktive Frau neben ihn setzt. Kurz darauf vertraut er der geheimnisvollen Fremden an, dass seine Frau ihn betrogen hat. Mit ihrer Reaktion jedoch hat er nicht gerechnet: Sie bietet ihm Hilfe an – beim Mord an seiner Ehefrau. Ein Trick? Ein morbider Scherz? Oder ein finsteres Rachespiel, das nur ein böses Ende nehmen kann?

Dieses Hörbuch hat mich komplett umgehauen. Die Geschichte um Ted beginnt sehr ruhig, gewinnt schlagartig an Tempo und lies mich nicht mehr los. Richtig und falsch vermischen sich, der Hörer wird hineingezogen und stellt sich immer häufiger die Frage, ob es so etwas wie "gut" und "böse" gibt...und wer hier eigentlich der/die Gute ist.

Die Hörbuchsprecher wurden perfekt gewählt, denn die Stimmen und die Betonung passen perfekt zu der Geschichte. Auch wenn hier vier Sprecher am Werke waren, hatte ich zu keiner Zeit Probleme die Stimmen auseinander zu halten.

Die Geschichte wurde aus der Perspektive der verschiedenen Personen erzählt, was dazu führt, dass der Leser immer ein bisschen mehr weiß, als die einzelnen Charaktere. Dies nimmt nicht die Spannung, im Gegenteil, es feuert sie an. Denn die Spannung dieses Buches ist einzigartig. Obwohl ich vieles wusste und (vom Autor gewollt), kommen sah, wurde ich mehrfach überrascht. Diese Überraschungen trafen mich völlig unerwartet und liesen mich schockiert zurück. Schnell konnte ich mich von der ausergewöhnlichen Geschichte nicht mehr losreißen und fieberte gespannt dem Ende entgegen.

Auch die Charaktere sind nicht die klassischen Stereotypen. Ted, der betrogene und wütende Ehemann, ist authentisch, wenn auch sein Handeln nicht immer nachvollziehbar ist. Er ist sehr impulsiv und reagiert nicht unbedingt so, wie andere Ehemänner (oder auch Ehefrauen) in seiner Situation handeln würden. Zum Glück. Dennoch konnte ich seine Gefühle häufig nachvollziehen, mich in ihn hineinversetzen und folgte gerne seinen Gedanken und seiner Meinung zu dem Geschehenen. Doch vor allem die facettenreiche Lily konnte mich in diesem Buch begeistern. Sie entwickelt sich immer weiter, in jedem Kapitel tauchen neue Details auf. Obwohl sie eine äußerst fragwürdige Denkweise besitzt, die sich nicht nur in ihrem Kopf abspielt, sondern die sie auch auslebt, empfand ich sie als sympathisch.

Auf die Handlung selbst möchte ich nicht genau eingehen. Den größten Gefallen tut sich der potenzielle Leser wirklich damit, sich ohne größeres Vorwissen auf das Buch einzulassen. Nur so kann er von den vielen Plottwists und der unerwarteten und ausergewöhnlichen Handlung begeistern lassen.

Fazit: Ein spannender und überraschender Thriller, den ich sehr gerne empfehle.

Sonntag, 12. Februar 2017

[Monatsrückblick] Januar 2017

Hallo zusammen,

dieses Mal bin ich spät dran, denn selbst der Februar ist mittlerweile zur Hälfte vorüber. Dennoch möchte ich mit euch noch meine Lesefreuden teilen und berichten, welche Filme und Serien ich im Januar gesehen habe.

Bücher
Meine Monatsstatistik Januar
Anzahl gelesener Bücher: 10
Abgebrochen: 0
Anzahl gelesener Seiten: 4.008
Gelesene Seiten pro Tag (durchschnittlich): ~129 Seiten

Filme
Mein erster Film des Jahres war Southpaw. Die Handlung hat mich zunächst nicht so richtig interessiert. Ich wollte den Film hauptsächlich wegen Jake Gyllenhaal sehen (der hier übrigens wieder einmal grandios spielt). Doch relativ schnell konnte mich auch die Story packen. Ein toller Film!


Serien
Zunächst habe ich eine Miniserie, bestehend aus drei Folgen, namens Der Anwalt des Teufels gesehen. Die schauspielerische Leistung war top, die Handlung spannend und alles in allem war es sehr gut gemacht. Die perfekte Serie für Zwischendurch. Dann ging es weiter mit Mr. Robot. Die Serie wird überall hochgelobt und auch mir haben die ersten Folgen enorm gut gefallen. Nach 4-5 Folgen hatte ich keine Lust mehr. Die zunächst starken Charaktere werden immer mehr zu Stereotypen, die Handlung wird kurze Zeit fallen gelassen. Vorerst werde ich die Serie abbrechen, es aber später nochmal versuchen ;)

Beim Stöbern nach einer neuen Serie wurde ich zunächst nicht fündig und dachte mir "Schau ich mal, was auf Netflix so geht". Da sprang mir direkt Eine Reihe betrüblicher Ereignisse ins Auge. Der Fall war damit klar und ich überglücklich. Die ersten vier Folgen haben mir gut gefallen, allerdings habe ich die Befürchtung, dass sich die Handlung auf Dauer wiederholen wird. Folge 5 war bspw. kaum von Folge 3 zu unterscheiden.

Und was habt ihr im Januar gelesen / gesehen?
Was waren eure Highlights?

Freitag, 3. Februar 2017

Leseliste: Februar 2017

Hallo zusammen,

auch für den Februar habe ich mir wieder einige tolle Bücher ausgesucht. Die da wären:


Zwei der Bücher habe ich schon angefangen. Auf 4321 von Paul Auster freue ich mich schon seit Monaten. Die Idee hinter der Geschichte ist so spannend und der Schreibstil einfach umwerfend! Aktuell befinde ich mich auf S. 66/1264. Ich habe also noch ein ganzes Stück vor mir ;) Die Gerechte von Peter Swanson höre ich derzeit als Hörbuch und befinde mich bei ziemlich genau der Hälfte. Ich mag die beiden Hörbuchsprecher sehr gerne und auch die Handlung finde ich spannend.

Die Annäherung von Anna Mitgutsch stand schon im Januar auf meiner Leseliste. Leider habe ich das Buch nicht mehr geschafft, aber ich habe schon ein paar Seiten gelesen und mag den Stil sehr gerne. Ebenso rein gelesen habe ich bereits in Der Dieb von Fuminori Nakamura. Ich freue mich auf eine weitere Übersetzung von Thomas Eggenberg. Auch auf Große Erwartungen von Charles Dickens freue ich mich schon wahnsinnig. In diesem Buch habe ich auf der FBM '16 geblättert und mich in Schreibstil und Aufmachung verliebt.


Nachdem ich in den letzten zwei Monaten schon drei Bücher aus dem Dörlemann Verlag entdecken durfte, stehen diesen Monat gleich zwei Bücher auf der Leseliste, nämlich Beziehungsweise von Manuela Reichart und Weiß von Markus Günther. Ich bin gespannt!


Auch zwei Jugendbücher dürfen im Februar nicht fehlen. Mit Die Schatten von London 02 In Memoriam von Maureen Johnson möchte ich unbedingt eine meiner begonnenen Reihen fortsetzen. Diese Reihe passt hervorragend in die kalte Jahreszeit, ebenso wie Was die Spiegel wissen von Maggie Stiefvater. Bei dieser Fortsetzung freue ich mich besonders darauf, im nächsten Monat das große Finale zu lesen.

Und welche Bücher möchtet ihr im Februar lesen?

Donnerstag, 2. Februar 2017

Rezension: Sarah Pinborough - Sie weiß von dir

OT: Behind Her Eyes
Übersetzung: Ulrike Thiesmeyer
Preis Ebook: 4,99 €
Preis Taschenbuch: 9,99 €
Seitenanzahl: 448 Seiten


Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3499272653
Erscheinungsdatum: 20. Januar 2017
Genre: Thriller
Reihe: Einzelband 

Klappentext Dieses Ende dürfen Sie niemandem verraten. Beinahe wäre Louisa mit dem netten Mann aus dem Pub im Bett gelandet. Ein paar Tage später dann der Schock: David ist ihr neuer Chef. Und verheiratet. Kurz darauf lernt Louisa auf der Straße durch Zufall eine Frau kennen. Seine Frau. Bald sind die beiden Freundinnen. Keine gute Idee. Adele ist sehr schön und sie wirkt sehr verletzlich. Nach und nach verrät sie Luisa Erschreckendes über ihre Ehe. Und Louisa spürt: Sie hat sich in eine heikle Lage gebracht. Was sie nicht weiß: Die Begegnung mit Adele war kein Zufall. Adele hat einen Plan. Doch es ist keine Intrige aus Eifersucht. Es ist viel, viel schlimmer.

Ausnahmsweise bespreche ich das Ende des Buches zuerst. "Dieses Ende dürfen Sie niemandem verraten"...Mit diesem Satz wirbt der Verlag für "Sie weiß von dir" von Sarah Pinborough. Auch mich konnte dieser Satz ködern. Trotz der Angst mit zu großen Erwartungen an das Buch heranzugehen, konnte mich das Ende überraschen. Ob es mir gefallen hat, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich bin zwiegespalten: Einerseits empfand ich das groß angekündigte Finale als originell, andererseits als etwas "zu viel" von allem. Die Meinungen der Leser werden sich scheiden.

Kommen wir aber zu der Geschichte an sich. Der Klappentext ist sehr gut gewählt. Er verrät nicht zu viel, zeigt dem Leser aber treffend, was er zu erwarten hat. Leider hat sich hier ein kleiner Fehler eingeschlichen, denn Louisa heißt eigentlich Louise.

Die Geschichte konnte mich schnell packen und ich konnte sie nur schwer zur Seite legen. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm und flüssig zu lesen. Die Geschichte ist zum großen Teil aus Louise Sicht geschrieben, doch auch Adele kommt zu Wort. Neben den Geschehnissen der Gegenwart schildert sie was vor Louise geschah. Ihr Aufenthalt in einer Klinik nach dem tragischen Tod ihrer Eltern, ihre Liebe zu David als 16-Jährige. Schnell werden die ersten Fragen aufgeworfen, schnell begann ich als Leserin zu rätseln. Daher bietet sich das Buch auch optimal für eine Leserunde an und ich bin froh, es gemeinsam mit einer Freundin gelesen zu haben. Während des Lesens stellt man durchgehend Spekulationen auf, verwirft die eine, spinnt die nächste. Es bleib von Anfang bis Ende spannend. Besonders gut gefiel mir die Charakterentwicklung, die Emotionen, die die Autorin bei dem Leser zu dem Charakter erweckt. Zu Beginn hatte ich Verständnis für alle Charaktere und empfand für jeden eine gewisse Sympathie. Doch immer wieder kam ich an den Punkt, an dem ich den Charakteren zu misstrauen begann. Schnell merkte ich, dass auch ich mich von der geschickten Selbstdarstellung einer Person hinters Licht führen lies. Verhalten und Handeln der Charaktere konnte ich nicht immer ganz nachvollziehen und schon gar nicht gut heißen. Nicht jeder Charakter eines Buches muss dieselben Wertvorstellungen mit dem Leser teilen und so ärgerte ich mich zwar über die ein oder andere Situation, konnte sie aber dennoch hinnehmen. Was mich allerdings sehr verwunderte, war der übermäßige Alkoholkonsum. Ein paar Gläser Rotwein am Abend schienen hier ganz normal zu sein.

Fazit: Ein sehr gelungener Thriller, der mich vor allem auf den ersten 400 Seiten begeisterte. Insbesondere die Charakterentwicklung und der Aufbau der Geschichte haben mir sehr gut gefallen. Das Ende war mir etwas "too much", aber definitiv sehr originell.