Freitag, 29. Mai 2015

Rezension: Haruki Murakami - Die unheimliche Bibliothek

OT: Fushigi Na Toshokan
Preis: 14,99 €  
Einband: Hardcover  
Seitenanzahl: 64 Seiten  
Verlag: Dumont
ISBN:
978-3832197179

Erscheinungsdatum: 22. August 2013
Genre: Kurzgeschichte
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 5/5 Sterne  








Ausnahmsweise spare ich mir den Klappentext und zwar aus gutem Grund. Das Buch besteht aus 64 Seiten, wovon 20 Seiten reine Illustrationen beinhalten. Vier Seiten sind Vorsatzblätter, etc. sodass die Geschichte aus 40 Seiten reinem Text besteht, wobei die Schriftgröße auch relativ groß ist. Das Büchlein ist also in ca. 30 Minuten gelesen. Der Klappentext ist relativ lang und nimmt zu viel vorweg. Ich finde es besonders bei Kurzgeschichten einfach schade, wenn die Hälfte schon im Klappentext verraten wird.

„Die unheimliche Bibliothek“ habe ich sehr gerne gelesen. Der Schreibstil von Haruki Murakami ist unglaublich. Besonders die Dialoge fand ich sehr gelungen. Auch schafft es Murakami von der ersten Seite an, eine sehr dichte Atmosphäre zu schaffen, sodass man sofort mitten im Buch ist. Für eine halbe Stunde war ich selbst in der unheimlichen Bibliothek. Die leicht skurrilen Geschehnisse und Charaktere haben mir während des Lesens wirklich Spaß gemacht und mir teilweise einen kalten Schauder über den Rücken gejagt. Die Geschichte wird durch die tollen Illustrationen wunderbar ergänzt. Etwas schade fand ich die Platzierung der Illustrationen. Diese sind so groß und gewaltig, dass sie kaum zu übersehen sind. War auf der linken Seite Text und der rechten Seite eine Illustration, wurde hin und wieder etwas vorweg genommen. Hier hätte man mehr auf die Platzierung achten sollen.

Natürlich lässt sich darüber streiten, ob 14,99 € für dieses kurzweilige Lesevergnügen angemessen sind. Man zahlt hier ganz klar für den Namen „Murakami“ sowie die Illustrationen. Ein Buch aber aufgrund des Preises schlechter zu bewerten, würde mir im Traum nicht einfallen. Man muss einfach vorher wissen, was einen erwartet. Außerdem kann man das Buch gebraucht kaufen (oder broschiert für 9,99€) oder aus der Bibliothek ausleihen, wobei man sich nach der Geschichte um „Die unheimliche Bibliothek“ zwei Mal überlegen wird, ob man es wieder zurück bringt ;)

Fazit: Mir hat diese Kurzgeschichte unglaublich gut gefallen. Wer noch nichts von Murakami gelesen hat, wird durch dieses kleine Büchlein definitiv Lust auf seine anderen Werke bekommen. Ich bin fasziniert, wie Murakami es schaffte mich auf diesen wenigen Seiten, vollkommen in den Bann dieses Buches zu ziehen!

Rezension: Antonia Michaelis - Das Institut der letzten Wünsche

Preis: 19,99 €
Einband: Hardcover
Seitenanzahl: 496 Seiten
Verlag: Knaur
ISBN:
978-3426653654


Erscheinungsdatum: 01. April 2015
Genre: Roman
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 5/5 Sterne  









Klappentext Die verträumte Mathilda arbeitet für eine Organisation, die sterbenden Menschen ihre letzten Wünsche erfüllt. Ein letztes Mal Schneeflocken spüren mitten im Hochsommer, Maria Callas live erleben oder in einem stillgelegten Vergnügungspark Riesenrad fahren – alles kein Problem, kleine Tricks inbegriffen. Das ändert sich, als Mathilda Birger begegnet. Denn er wünscht sich, vor seinem Tod noch einmal seine große Liebe Doreen und ihr gemeinsames Kind wiederzusehen. Mathilda soll sie für ihn suchen – nur will sie Doreen eigentlich gar nicht finden, denn sie hat sich auf den ersten Blick in Birger verliebt.

Die Bücher von Antonia Michaelis sind für mich generell ein Muss. Die Geschichte um „Das Institut der letzten Wünsche“ konnte mich schon auf den ersten Seiten begeistern. Und diese Begeisterung hielt an, während jedes einzelnen Satzes.

Der Schreibstil ist ein wahrer Genuss und berührte mich auf verschiedene Weisen. So kam es mehrfach vor, dass ich in einem Moment einen dicken Kloß im Hals hatte und im nächsten Moment lachen musste…und zwar richtig. Denn die Charaktere sind so liebenswert und witzig, dass es gar nicht anders geht. Ich kann nicht beantworten, welcher der Charaktere mir am besten gefallen hat. Die leicht verrückte Mathilda? Der zerstreute und stets verwuschelte Birger? Der fast menschliche Hund Eddie der sprechen kann oder es zumindest versucht? Herr Mirusch, der die Zeit repariert? Ich könnte ewig so weiter machen, denn ich habe mich in jeden einzelnen von ihnen verliebt und werde noch oft und gerne an sie zurück denken.

Zu der Handlung selbst kann und will ich gar nicht zu viel verraten. Denn dies ist ein Buch, dessen Handlung man nur dann nachempfinden und begreifen kann, wenn man es selbst gelesen hat. Es geht um das Sterben, ein unbequemes Thema, mit dem jeder anders umgeht. In dieser Geschichte sind wir Teil vieler verschiedener letzter Wünsche, die alle auf ihre Art sehr berühren. Doch wir werden auch Teil von Mathilda’s Leben und suchen mit ihr gemeinsam nach Doreen und ihrem Kind. Die Handlung ist von der ersten Seite an spannend und es bleibt viel Platz für Spekulationen. Immer, wenn man denkt, dass man auf der richtigen Spur ist, kommt es doch anders. Das Ende beantwortet die meisten Fragen, die man sich während des Lesens stellte. Es lies mich nachdenklich und sehr berührt zurück. 

Fazit: Einfach wundervoll versteht es Antonia Michaelis ein bedrückendes Thema mit humorvollen sowie berührenden Szenen zu verweben. Unterstrichen wird diese ohnehin fantastische Geschichte durch liebenswerte Charaktere, die dem Leser von der ersten Seite an sympathisch sind, ihn zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken bringen. Absolute Leseempfehlung.

Samstag, 16. Mai 2015

Rezension: Nathan Filer - Nachruf auf den Mond



OT: The shock of the fall
Preis: 19,99 €
Einband: Hardcover
Seitenanzahl: 320 Seiten
Verlag: Droemer
ISBN:
978-3426281246

Erscheinungsdatum: 02. März 2015
Genre: Roman
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 4/5 Sterne 







Klappentext »Ich werde Ihnen erzählen, was passiert ist, denn bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. Doch in ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe.« Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler, und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf – und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot – und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger. Matthew leidet an Schizophrenie.

Das Cover machte mich direkt neugierig. Eine Leiter zum Mond, darunter eine Ameise. Was hat es damit aufsich? Schon nach einigen Seiten verstand ich, was sich die Buchgestalter bei dem Cover gedacht haben. Da ich nicht zu viel von der Handlung vorweg nehmen möchte, werde ich darauf nicht genauer darauf eingehen. Ich erlebte beim Lesen jedoch einen richtigen „Aha-Moment“ und bin nach wie vor begeistert, wie passend das Cover gewählt wurde.

Der Schreibstil von Nathan Filer ist ein Gedicht. Er schreibt sehr bildhaft und spricht den Leser als Matt direkt an, bezieht in mit ein. „Ich hätte ja lieber Turnschuhe getragen, aber Sie kennen ja meine Mutter.“ (S.8) Mir hat diese Form des Schreibens sehr gut gefallen. Matt schrieb, teils am PC der Psychiatrie, teils an der Schreibmaschine zuhause, seine Geschichte auf und als Leserin hatte ich das Gefühl das „Original“ in der Hand zu halten. Ich fühlte mich Matt sehr nah und verbunden. Besonders gut gefallen hat mir zudem die Art, wie der Verlag mit der Schrift spielte. Die Schriftart ändert sich, je nachdem auf welchem Gerät Matt schrieb. Das Geschriebene wird durch kleine Zeichnungen ergänzt. Leider erzählt Matt seine Geschichte nicht der Reihe nach sondern wild durcheinander, manchmal etwas wirr, sodass ich hin und wieder meine Probleme hatte zu erfassen, wo Matt denn gerade mit seinen Gedanken ist. Hier ist auf jeden Fall ein gewisses Maß an Konzentration erforderlich.

Die Charaktere sind sehr authentisch. Vor allem Matt konnte sehr gut verstehen, aber auch seinen Bruder Simon und seine Großmutter „Nanny Noo“ fand ich auf anhieb sympathisch. Matt’s Eltern waren ebenfalls authentisch und auch wenn ich wusste, dass sie teilweise nicht optimal handelten, war ihre Handlungsweise doch immer nachvollziehbar.

Matt’s Geschichte fand ich sehr berührend und durchgehend spannend. Als Leser möchte man erfahren, wie sein Bruder Simon starb und wie Matt zu dem wurde, was er heute ist. Das Ende hat mich in seiner Abgeschlossenheit positiv überrascht. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass dies ein Buch wird, bei dem viele Fragen offen bleiben werden, doch dies war hier - zum Glück - nicht der Fall.

Fazit: Eine sehr berührende Geschichte die vor allem auch durch den tollen Schreibstil überzeugt. Auch wenn das Buch mit seinen 320 Seiten sehr dünn ist, ist es meines Erachtens kein Buch für zwischendurch, da man sich beim Lesen konzentrieren muss um mitzukommen. Wer diese Konzentration und ein bisschen Zeit mitbringt wird bei „Nachruf auf den Mond“ mit einer ganz besonderen Geschichte belohnt.

Donnerstag, 7. Mai 2015

Rezension: Diane Brasseur - Der Preis der Treue

OT: Les fidélités 
Preis: 14,90 €
Einband: Broschiert
Seitenanzahl: 176 Seiten
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3423260695

Erscheinungsdatum: 01. April 2015
Genre: Roman
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 4,5/5 Sterne







Klappentext
"Seit einem Jahr lebt ein vierundfünfzigjähriger verheirateter Pariser Anwalt im emotionalen Ausnahmezustand: Er hat sich in die deutlich jüngere Alix verliebt. Was mit spielerischer Leichtigkeit begann – wiederentdeckte flirrende Erotik, der Reiz des Doppellebens, der Flirt mit einem Neubeginn –, wird mit der Zeit zu einer wachsenden Belastung. Sein Dilemma: Er ist nicht nur verrückt nach Alix, mit der er sich endlich wieder rundum lebendig fühlt, er liebt auch seine Frau. Eines Morgens zieht er sich in sein Arbeitszimmer zurück, in der festen Absicht, endlich eine Entscheidung zu treffen."

Ich muss gestehen, dass mich der Klappentext nicht zu hundert Prozent ansprach. Warum sollte ich in die Gedankenwelt eines Mannes eintauchen wollen, der seine Frau mit der deutlich jüngeren Alix betrügt? Mit so einem Menschen kann ich mich weder identifizieren noch Mitleid mit ihm empfinden. Doch die Geschichte um ihn, dessen Name während des Lesens unbekannt bleibt, Alix und seine Familie überraschte mich in vielerlei Aspekten.

Die geringe Seitenanzahl von 176 Seiten kombiniert mit kurzen Kapiteln und einer großen und angenehmen Schrift, ermöglicht ein schnelles und angenehmes Lesen. Vor allem der Schreibstil von Diane Brasseur gefiel mir außerordentlich gut. Er ist leicht und fließend, an manchen Stellen leicht poetisch.

In "Der Preis der Treue" werden neben der Wiedergabe von Geschehenem zudem mehrere Gedankengänge und Möglichkeiten durchgesponnen. Der Protagonist malt sich aus, wie seine Frau und seine Geliebte aufeinander treffen, wie Alix ihn vermisst und was sie von ihm denkt, wie sie auf seine Tochter wirken würde und so viel mehr. Ich hatte beim Lesen wirklich das Gefühl, in die Gedanken dieses Mannes einzutauchen. Das Dilemma ob er so weiter leben soll wie bisher, seine Geliebte oder seine Frau verlassen soll, konnte ich mich hinein versetzen. Die Bedrückung des Protagonisten konnte ich spüren und gerade dies machte für mich das Buch zu etwas besonderem. Die Authentizität mit der Diane Brasseur die Gedankenwelt des Protagonisten spinnt. Lediglich über seine Frau hätte ich gerne etwas mehr erfahren, denn seine Gedanken drehen sich hauptsächlich um Alix und sich selbst.

Fazit: Ein authentisches Gedankenkonstrukt eines Mannes der hin und her gerissen ist zwischen verschiedenen Entscheidungen. Ich würde empfehlen dieses Buch, wenn möglich, in einem Rutsch durchzulesen, da sich vor allem auf diesem Weg der Sog des Buches auf den Leser entwickelt.