Montag, 14. März 2016

Rezension: Erin Kelly - Der ehrenwerte Mörder

OT: The Ties That Bind
Preis Ebook: 8,99 €
Preis Taschenbuch: 9,99 €
Seitenanzahl: 448 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag 

ISBN: 978-3442483389
Erscheinungsdatum: 15. Februar 2016
Genre: Kriminalroman 
Reihe: Einzelband 
Meine Wertung: 2,5/5 Sterne

Klappentext Luke Considine ist ein Reporter auf der Suche nach der großen Story. In Brighton scheint er sie gefunden zu haben: die Lebensgeschichte des ehemaligen Gangsters Joss Grand. Grand, mittlerweile über achtzig, herrschte mit seinem brutalen Handlanger Jacky Nye einst über Brightons Unterwelt. Bis Jacky 1968 tot am West Pier angespült wurde. Obwohl Grand ein Alibi für die Mordnacht vorweisen konnte, waren die Gerüchte nie verstummt. Nun will Luke den Fall neu aufrollen und Grand, der sich mittlerweile als Philanthrop inszeniert, der Tat überführen. Zumal er erfährt, es habe bei dem Mord eine Zeugin gegeben, eine Frau in einem roten Mantel, die vom Tatort floh. Luke ahnt nicht, dass seine Nachforschungen ihn in tödliche Gefahr bringen ...

Vor etwas mehr als zwei Jahren sorgte Erin Kelly mit "Das Böse, das im Herzen schläft" für die Thrillerüberraschung meines Lesejahres. Ich fand das Buch schlichtweg genial und gierte nach mehr. Umso größer war die Freude auf "Der ehrenwerte Mörder" und umso höher auch die Erwartungen. Der Klappentext des Buches klingt vielversprechend. Die ersten rund 180 Seiten las ich in einem Rutsch, doch dann begann der Part, weswegen das Buch von mir nur 2,5 Sterne bekommt.

Was mir extrem gut gefallen hat, war die Tatsache, dass der Protagonist Luke schwul ist und im Klappentext nicht darauf hingewiesen wurde. Seine Homosexualität wurde nicht groß thematisiert und spielte auch keine Rolle in der Geschichte. Alles, was ihm zugestoßen ist, hätte auch jedem heterosexuellen Menschen zustoßen können. Erin Kelly behandelt das Thema "Homosexualität" also einfach ganz normal und ohne großes Brimborium. Natürlich gibt es mittlerweile einige Bücher mit homosexuellen Charakteren, doch hier ist ihre Sexualität meist das große Thema.

Auf den ersten Seiten lernen wir Luke kennen. Während er und Jem sehr authentisch beschrieben wurden, blieb der Rest der Charaktere für mich im Laufe des Buches leider sehr blass. Luke ist nicht der typische sympathische Charakter. Er trifft einige "falsche" Entscheidungen und handelt das ein oder andere Mal sehr egoistisch. Auch das empfinde ich als Besonderheit, denn Luke entspricht einfach keinem Stereotyp.

Der Schreibstil von Erin Kelly gefällt mir nach wie vor sehr gut. Ihre Art Personen, Umstände und Gefühle zu beschreiben hat einen hohen Wiedererkennungswert und macht ihre Bücher zu etwas Besonderem.

Kommen wir zu dem großen, fetten Kritikpunkt und der ist leider die Handlung an sich. Wie ich oben schon schreib, gefielen mir die ersten 180 Seiten enorm gut. Der Leser erhält Einblick in Lukes Leben und seine Gefühlswelt. Auf den ersten Seiten suchte man vergeblich nach "Krimi-Elementen" und doch empfand ich diese Seiten viel spannender, als alles andere was danach kam. Die darauf folgenden Seiten befassen sich beinahe ausschließlich mit der Recherche zu einem alten Mordfall und dem damaligen Gangster Joss Grant. Es kommen Gespräche mit Joss Grant und anderen Personen hinzu und Luke deckt Schritt für Schritt den alten Mordfall auf. So weit, so gut. Was mich hier störte war zum einen die Langeweile die beim Lesen aufkam, die nicht zuletzt durch die blassen Charaktere hervorgerufen wurde. Wie soll ich mitfiebern, wenn ich mir die Charaktere kaum vorstellen kann? Wie soll Spannung erzeugt werden, wenn mir die Charaktere größtenteils egal sind? Stellenweise musste ich mich zwingen weiter zu lesen. Schnell kam ich an den Punkt, an dem es mich einfach nicht mehr interessierte wer nun was vertuscht oder wer wen ermordet hatte. Des Weiteren fand ich es nicht authentisch, wie Luke die Hinweise zugeflogen sind. Der Mordfall wurde nie aufgeklärt und lag jahrzehntelang bei den unaufgeklärten Fällen. Und auf einmal beginnen Zeugen, die bisher nicht aufgefunden werden konnten, zu reden. Der Hauptverdächtige, der sich nie zu den Geschehnissen äußerte, erklärt sich zu Interviews bereit.

Das Ende hätte überraschend sein können, wenn ich mir in der zweiten Hälfte irgendwelche Gedanken dazu gemacht hätte, wie das Buch ausgehen könnte. Doch obwohl es sich bei "Der ehrenwerte Mörder" um einen Kriminalroman handelt, fieberte ich nicht eine Sekunde lang der Auflösung des Falls entgegen.

Fazit: Auch wenn mich dieses Buch leider nicht überzeugen konnte, halte ich von Erin Kelly als Autorin sehr viel. Einige Punkte in diesem Buch empfand ich als erfrischend anders und deshalb auch als besonders. Diese Punkte konnten die Schwächen in der Handlung für mich jedoch leider nicht ausmerzen. Leser, die sehr ruhige und recherchelastige Kriminalromane mögen, könnte dieses Buch gut gefallen. Allen, die einen spannenden Krimi erwarten, muss ich von diesem Buch leider abraten.

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