Sonntag, 21. August 2016

Rezension: Holly Seddon - Locked in. Wach auf, wenn du kannst (HÖRBUCH)

OT: Try Not To Breathe
Preis: 14,99€
Format: 2 MP3-CDs
Laufzeit: 9h 10 Minuten
Gelesen von: Marie Bierstedt, Anna Carlsson, Simon Jäger
Verlag: Random House Audio

ISBN: 978-3-8371-3346-2  
Erscheinungsdatum: 14. März 2016
Genre: Thriller
Reihe: EInzelband
Meine Wertung: 4,5/5 Sterne

Klappentext Alex Dare ist Journalistin. Und Alkoholikerin. Bei der Recherche für einen Artikel stößt sie auf den Fall von Amy Stevenson, die seit vielen Jahren im Koma liegt. Plötzlich wird Alex‘ journalistischer Spürsinn wieder wach. Denn sie kennt Amy. Und sie meint zu ahnen, dass Amy ein Geheimnis hat. Aber wer soll ihr schon glauben? Es sei denn, Amy gibt ihr Geheimnis preis ...

Zunächst einmal muss ich ein großes Lob für die Hörbuchsprecher vergeben. Simon Jäger kannte ich schon von verschiedensten Fitzek-Thrillern und mochte in diesen schon sehr gerne. Doch auch Anna Carlsson und Marie Bierstedt passten einfach perfekt zu den Rollen und zogen mich zusätzlich zu der Handlung in den Bann der Geschichte. Sie spielten gekonnt mit ihren Stimmen und schafften es die Gefühle und Gedanken der Charaktere perfekt widerzugeben.

Ein Mädchen wird im Alter von 15 Jahren so brutal zusammen geschlagen, dass sie fortan im Koma liegt. Ihr Wesen altert nicht und so hat sie selbst viele, viele Jahre später noch das Denken einer 15-Jährigen. Der Täter konnte nie geschnappt werden.

Die Charaktere des Buches sind alles andere als Stereotypen. Alex ist Alkoholikerin. Dies schreit gerade nach Stereotyp, doch gerade dies empfand ich als authetisch, da nicht nur das Trinken an sich thematisiert wurde, sondern auch dessen Begleiterscheinungen wie bspw. das Bettnässen und Einblicke in die eigentliche Sucht. Ihr Zustand wird schonungslos beschrieben, ohne von der eigentlichen Geschichte abzuweichen. Dabei ist sie nicht immer sympathisch, aber wer ist das schon? Doch auch Jacob ist unglaublich authentisch. Über ihn möchte ich gar nicht viel sagen, da man als Leser / Hörer seine Position und seine "Rolle" zunächst gar nicht so recht zuordnen kann und das ist auch gut so.

Das Buch ist in drei unterschiedliche Perspektiven aufgeteilt. Den größten Platz nimmt wohl Alex ein, auf der Suche nach der Wahrheit. Dann ist da noch Jacob und auch Amy kommt immer wieder zu Wort. Denn auch, wenn sie nach dem schweren Unfall im eigenen Körper eingeschlossen ist, hat sie dennoch ein Bewusstsein. Auch gibt es immer wieder Rückblicke in die Zeit vor der schrecklichen Tat, die Amy ins Koma brachte.

Das Buch selbst würde ich eher in die Sparte "psychologischer Spannungsroman" als "Thriller" stecken. Denn auch, wenn ich die Handlung unglaublich spannend und mitreissend fand: Die Geschichte ist sehr unblutig und ruhig. Es gibt keinen heftigen Countdown und keine großartigen Jagden. Doch das macht die Geschichte deshalb nicht weniger packend. Mich hat das Buch vom Stil (nicht von der Handlung) sehr an "Die Falle" von Melanie Raabe und "Gone Girl" von Gillian Flynn erinnert.

Ich habe das Buch im Auto auf dem Weg zur Arbeit gehört und musste mich teilweise wirklich dazu zwingen auszusteigen und zur Arbeit zu gehen. Irgendwann reichte ich es mir dann und ich schnappte mir die CDs um das Hörbuch zuhause zu beenden. Teilweise war mir das Buch vielleicht ein klein wenig zu ruhig, aber das waren wirklich nur wenige Momente. Ansonsten hielt mich die Geschichte um Amy, Alex und Jacob völlig gefangen. Das Ende ist ansich befriedigend. Es bleiben keine wichtigen Fragen offen und auch der Täter / die Täterin kann identifiziert werden. Dennoch war mir das Ganze ein wenig too-much.

Fazit: Ein ruhiger, aber dennoch spannender psychologischer Spannungsroman mit authentischen, nicht immer sympathischen Charakteren und grandiosen Hörbuchsprechern!

 

Samstag, 20. August 2016

Rezension: Claire Winter - Die verbotene Zeit

Preis Ebook: 15,99 €
Preis Hardcover: 19,99 €
Seitenanzahl: 576 Seiten
Verlag: Diana 
ISBN: 978-3453291683

Erscheinungsdatum: 14. April 2015
Genre: Roman 
Reihe: Einzelband 
Meine Wertung: 4,5 Sterne 

Klappentext 1975: Nach einem schweren Autounfall sind Carlas Erinnerungen wie ausgelöscht, und sie setzt alles daran, die verlorene Zeit zu rekonstruieren. Der Journalist David Grant behauptet, sie sei auf der Suche nach ihrer Schwester gewesen, die vor sechzehn Jahren spurlos an der Küste von Cornwall verschwand. Doch kann sie ihm vertrauen? Lügen ihre Eltern sie an? Die Wahrheit führt Carla weit zurück in die Vergangenheit, in das Berlin der Dreißigerjahre, zu einer ungewöhnlichen Freundschaft und einer verbotenen Liebe, aber auch einer schrecklichen Schuld ...

Berlin, 1922: Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft verbindet Edith und Dora von Kindheit an eine so enge und treue Freundschaft, als wären sie Schwestern. Dora ist die Tochter eines einfachen Hausmädchens, Edith die eines reichen Papierfabrikanten. Die beiden wachsen im schillernden Treiben der Großstadt heran, und ihre Verbundenheit bleibt ihnen auch als Erwachsene erhalten. Dora findet ihr Glück mit dem ehemaligen Sportler Paul Behringer, und Edith heiratet den Adeligen Maximilian von Stettenheim. Doch wahre Liebe begegnet Edith erst mit dem charismatischen Violinisten Jules Cohn. In den gefährlichen politischen Zeiten der Dreißigerjahre lässt Edith sich auf ein gewagtes Spiel ein, denn Jules ist Jude und im Widerstand aktiv. Dora bleibt der einzige Mensch, dem sie vertrauen kann. Und Edith wird schließlich gezwungen, die Freundin um etwas zu bitten, das ihrer aller Leben auf dramatische Weise für immer verändern wird ...

"Die verbotene Zeit" war mein erstes Buch von Claire Winter und ich kann es jetzt schon kaum erwarten, weitere Bücher von ihr zu lesen. Das Buch packt von der ersten Seite an. Eine Frau verliert 1975 ihr Gedächtnis und findet auf der Suche nach ihren Erinnerungen noch viel mehr als diese. Der zweite Handlungsstrang, der im Jahr 1922 beginnt, erzählt die Geschichte zwei Freundinnen wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Leser begleitet sie als Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Des Weiteren spielt die deutsche Geschichte zu dieser Zeit eine große Rolle. Die beiden Handlungsstränge werden im Laufe der Geschichte immer weiter verknüpft, bis es zum Schluss ein "großes Ganzes" ergibt.

Der Schreibstil von Claire Winter ist sehr eindringlich und emotinal. Auch die bildhafte Beschreibung der Charaktere und Handlungsorte machte das Lesen zu einem wahren Genuss. Die Charaktere, insbesondere Edith und Dora, konnte ich genaustens vor mir sehen. Gekonnt schafft es Claire Winter nicht nur mit der spannenden Handlung sondern auch mit Worten und Andeutungen Spannung zu schaffen.

Die Charaktere schloss ich schnell ins Herz. Auch wenn ich hier von keinem "Lieblingsstrang" sprechen kann, da mir beide Stänge sehr gut gefallen haben, empfand ich die Charaktere aus dem Jahre 1922  als noch authentischer und liebenswerter. Insbesondere die Entwicklung die Dora und Edith während des Buches durchmachten hat mir sehr gut gefallen.

Die Handlung selbst ist an Spannung kaum zu überbieten. Während des Lesens stellte ich mir tausende Fragen, die letztendlich zum Glück alle geklärt wurden. Dies machte es sehr schwer dieses tolle Buch aus der Hand zu legen. In jedem Kapitel wird eine neue Antwort gegeben, zwei Ereignisse zusammen geführt aber auch eine neue Frage aufgeworfen. Was mir zudem sehr gut gefallen hat, war die Recherche, die Claire Winter betrieb. Romane über diese Zeit gibt es unzählige. Doch selten hat es eine Autorin geschafft mich mit so viel Neuem zu schockieren. Einige Dinge wusste ich wirklich noch nicht. Zudem spürte ich die Verzweiflung und das Grauen beim Lesen geradezu, ohne das Claire Winter mit dem Holzhammer hantieren musste.

Fazit: Eine packende und spannende Geschichte über das Schicksal zweier Frauen und deren Angehörige. Eine emotionale und berührende Geschichte voller Authentizität. Unbedingt lesen!