Sonntag, 16. Oktober 2016

Rezension: J.L. Carr - Ein Monat auf dem Land

OT: A Month in the Country
Übersetzung: Monika Köpfer
Preis Ebook: 13,99 €
Preis Hardcover: 18,00€
Seitenanzahl: 144 Seiten
Verlag: Dumont

ISBN: 978-3-8321-9835-0
Erscheinungsdatum: 19. Juli 2016
Genre: Roman
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 5/5 Sterne

Kurzbeschreibung Sommer 1920 im nordenglischen Oxgodby: Als auf dem Bahnhof ein Londoner aus dem Zug steigt, weiß gleich das ganze Dorf Bescheid: Er ist der Restaurator, der das mittelalterliche Wandgemälde in der örtlichen Kirche freilegen soll. Doch was steckt hinter der Fassade des stotternden und unter chronischen Gesichtszuckungen leidenden Mannes? Tom Birkin hat im Ersten Weltkrieg gekämpft, als traumatisierter Veteran wurde er von seiner Frau verlassen. Er hofft, in der Ruhe und Einfachheit Yorkshires zu gesunden. Und tatsächlich: Langsam gelingt es ihm, sich der Welt um sich herum zu öffnen, vielleicht sogar der Liebe...

Der Klappentext ist meines Erachtens perfekt gewählt, weshalb ich auf den Inhalt des Buches nicht tiefer eingehen möchte. "Ein Monat auf dem Land" ist die Geschichte eines Mannes, der vom Krieg stark traumatisiert in ein kleines Städtchen in Yorkshire kommt und sich innerhalb dieses Monats verändert. Er schließt Freundschaften, findet Freude an seiner Arbeit, kommt zur Ruhe.

Mir als Leser bereitete dieses Buch große Freude. Ich genoss es, Toms Weg zu verfolgen und kam beim Lesen selbst zur Ruhe. Die Atmosphäre der Kleinstadt ging direkt auf mich über. Dies wurde nicht zuletzt durch den großartigen Schreibstil unterstützt. Dieser Roman ist voll sprachlicher Schönheiten, sodass ich bei einigen Sätzen lächeln musste und eine Gänsehaut bekam. J.L. Carr erzählt als Tom Birkin und mit einer gewissen Melancholie, seinen Monat auf dem Land. Er schreibt in der Retroperspektive und das besondere ist, dass der Leser, auch wenn er nicht weiß, wie es nach dem Monat mit Tom Birkin weiter ging, das Gefühl hat, dass er zu einem glücklichen Mann wurde.

"Wir sind von Natur aus hoffnungsvolle Geschöpfe, stets bereit, von Neuem betrogen zu werden, voll banger Erwartung, welches Wunder sich möglicherweise in einem braunen, auch noch so schmuddeligem Packpapierpaket verbirgt." (S. 24)

Während J.L. Carr also stets die perfekten Worte wählt und den Leser damit mitten ins Herz trifft, beschreibt er auch die Orte und Taten der Charaktere so genau, dass der Leser in den Glockenturm gesogen wird, ein Gemälde freilegt oder sich mit den Ellerbecks unterhält.

Auch die Charaktere in diesem Buch mochte ich sehr gerne. Viele gibt es nicht. Da wären der junge Tom Birkin. Der mürrisch wirkende Pfarrer Keach, der mich insbesondere zum Schluss mit wundervoll gewählten Worten überraschte, und seine wunderschöne Frau Alice. Charles Moon, der Archäologe, der ein wichtiges Grab finden soll und zu Toms Freund wird. Besonders gut gefallen hat mir die junge Kathy Ellerbeck, die kein Blatt vor den Mund nimmt und von Tom Birkin mit folgenden Worten beschrieben wird:

"(...) um des Redens willen zu reden, so wie manche Kinder Gefallen an Eiscreme hatten." (S. 45)

Die Charaktere empfand ich als originell und authentisch in ihren Handlungen und ihrem Sein.

1980 war J.L. Carr mit diesem Werk für den Booker Preis nominiert. Mehr als 30 Jahre hat es gedauert, dass dieser Roman in die deutsche Sprache übersetzt wurde.

Fazit: Ein wunderschöner, lebendiger Roman, den ich sicherlich noch mehrmals lesen werde. Ich hoffe, dass auch die anderen Werke des Autors bald ins Deutsche übersetzt werden.

Samstag, 15. Oktober 2016

Rezension: Francesca Haig - Das Feuerzeichen 02 Rebellion

OT: The Map of Bones - The Fire Sermon Book 2
Übersetzung: Viola Siegemund
Preis Ebook: 13,99 €
Preis Hardcover: 16,99€
Seitenanzahl: 480 Seiten
 
Verlag: Heyne fliegt
ISBN: 978-3453270411
Erscheinungsdatum: 09. Mai 2016
Genre: Dystopie
Reihe: Band 2/3
Meine Wertung: 4,5/5 Sterne

Klappentext In der düsteren Welt der Zukunft herrscht eine Zweiklassengesellschaft: Die perfekten Alphas regieren und genießen alle Privililegien, die Omegas – ihre vermeintlich weniger perfekten Zwillinge – werden tagtäglich unterdrückt und gedemütigt. Nachdem die Insel der Omegas zerstört wurde, ist Cass, zusammen mit ihren Freunden Piper und Zoe, auf der Flucht. Irgendwo jenseits des Ozeans, so hoffen sie, gibt es ein Land, in dem das Omega-Brandzeichen auf ihrer Stirn keine Rolle mehr spielt. Doch dazu müssen sie erst einmal an die Küste gelangen, und Cass' ruchloser Zwillingsbruder Zach ist ihnen dicht auf den Fersen.

Lange habe ich mich vor diesem Mittelband gedrückt, da mich die negativen Rezensionen abgeschreckt haben. Band 1 hat mir sehr gut gefallen, auch wenn er ein paar Längen hatte, doch dieser zweite Band, der in Trilogien ja oftmals der schwächste Band ist, konnte mich überzeugen und hat mir sogar besser gefallen, als der erste.

Nach Kips Tod und dem Gemetzel auf der Insel, muss sich der Widerstand neu sortieren. Cass trauert um ihren Freund Kip und die vielen Opfer, die beim Kampf auf der Insel ihr Leben lassen mussten. Doch Zeit zum Ausruhen hat sie, gemeinsam mit ihren Weggefährten Piper und Zoe, nicht, denn sie müssen verhindern, dass die Omegas in die Tanks verbannt werden. Der zweite Band schließt nahtlos an den ersten Band an. Gekonnt hilft die Autorin Francesca Haig ihren Lesern, sich an die Geschehnisse des Vorgängers zu erinnern, ohne sich zu wiederholen. So hatte ich keinerlei Probleme mich in dem Buch zurecht zu finden, sondern konnte mich bereits ab der ersten Seite in die Geschichte fallen lassen.

Eine Bereicherung für die Geschichte waren die verschiedenen Begegnungen mit sehr interessanten Charakteren, wie bspw. den Barden, die ein Lied über die wahren Machenschaften der Alphas bzw. der Regierung komponieren. Diese Stelle hat mich sehr bewegt, auch aufgrund des eindringlichen Textes. Doch auch die Begegnung mit Sally, einer legendären Widerstandskämpferin, und ihrem Schützling, dem Seher Xander, hat dem Buch zusätzlich Spannung verliehen. Xander ist aufgrund der Visionen sehr durcheinander und man bekommt von ihm kaum eine klare Antwort zu hören. Ein Schicksal, das viele Seher erwartet. Die Auseinandersetzung mit ihm setzt Cass sehr zu, da er ihr das eigene mögliche Schicksal direkt vor Augen führt. Xander spricht immer wieder von dem Rasseln der Knochen und anderen zunächst wirren Andeutungen, die im Nachhinein jedoch alle Sinn ergeben.
 
Auch der Dompteur, der gemeinsam mit Zach (der sich "Der Reformer" nennt) und der Generalin die Spitze der Regierung bildet, nimmt in diesem Band eine größere Rolle ein, die mir sehr gut gefällt. Auch wenn er vor allem an die Gunsten der Alphas denkt und für diese kämpft, ist er mit der Handhabung des Reformers und der Generalin nicht einverstanden. Und genau das ist es, was mir an dem Buch so gefällt. Es gibt nicht nur "Die Guten" und "Die Bösen", sondern vor allem Menschen, die Angst haben und für ihre Rechte kämpfen, teilweise mit grausamen Mitteln. Und so ist auch Zach, der Bruder von Cass, nicht nur böse. Er litt in seiner Kindheit ebenso wie Cass unter der Splittung der Zwillinge, wenn auch auf andere Art und Weise und ist in der Lage zu lieben. Diese Vielschichtigkeit der Charaktere macht die Trilogie deshalb für mich zu etwas sehr besonderem.

Die Atmosphäre des Buches ist für mich ebenfalls einzigartig. Von Beginn an ist das Buch sehr düster und zieht den Leser in seinen Bann. Man spürt die Verzweiflung, die Trauer, die Hoffnung und am besten gefällt mir, dass es in diesem Buch um die verschiedensten Arten von Liebe geht. Die Liebe zu seinem Bruder/ seiner Schwester, die Freundschaft unter Gleichgesinnten und dabei steht die Liebesgeschichte niemals im Vordergrund. Dies gefiel mich auch schon an Band 1 überragend gut: Dass das Buch nicht von der Liebesgeschichte um Cass und Kip getragen wurde, sondern dass sich diese eher im Hintergrund abspielte.

Der Schreibstil von Francesca Haig gefällt mir auch hier wieder sehr gut. Teilweise liest sich das Buch zwar sehr ruhig, doch dabei wurde mir nie langweilig. Ich genoss die Beschreibungen von Gefühlen und Orten gleichermaßen. Auch die Charakterentwicklung hat mir sehr gut gefallen. Wir erfahren mehr über Zoes forsche Art und wodurch diese begründet ist und Cass entwickelt sich im Laufe der ersten zwei Bände stetig weiter, was aufgrund der Geschehnisse authentisch ist. Etwas schockiert hat mich die Brutalität des Buches, denn teilweise musste ich schon sehr schlucken. Ob diese schon in Band 1 so allgegenwärtig war, weiß ich leider nicht mehr, aber sie verdeutlicht noch mehr, in welcher Art Welt Cass & Co. leben.

Auch in diesem letzten Band, konnte Francesca Haig mich wieder mit ihrer Originalität begeistern. Sie hat unglaubliche Ideen, die mir noch nicht in verschiedensten Formen als "neu" vorgesetzt wurden und schaffte es, mich wieder mehrfach zu überraschen. Auch an unerwarteten Wendungen spart die Autorin in diesem Buch nicht und schaffte es somit, mich die kompletten 480 Seiten über bei Laune zu halten. Das Ende war zwar kein ganz so böser Cliffhanger, wie der des ersten Bandes, doch ich kann es kaum erwarten, den finalen Band in den Händen zu halten.

Fazit: Ein großartiger zweiter Band, voller Überraschungen, der mich nicht zuletzt durch die Entwicklung und Vielschichtigkeit aller Charaktere umgehauen hat.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Rezension: Matt Ralphs - Fire Girl 01 Gefährliche Suche

OT: Fire Girl
Preis Ebook: 12,99€

Preis Hardcover: 14,99€ 
Seitenanzahl: 320 Seiten
Verlag: Bloomoon

ISBN: 978-3845816401
Erscheinungsdatum: 18. August 2016
Genre: Jugendfantasy
Reihe: Band 1/?
Meine Wertung: 4/5 Sterne

Klappentext Hazel Hooper hat die ersten zwölf Jahre ihres Lebens auf einer Waldlichtung verbracht, die von ihrer Mutter Hecate durch einen Zauberbannkreis von der Außenwelt abgeriegelt wurde. Hazel sehnt sich danach, die Welt draußen kennenzulernen. Aber am allermeisten wünscht sie sich, endlich selbst magische Fähigkeiten zu entwickeln. Als ihre Mutter von einem gefährlichen Dämon entführt wird, erwachen Hazels Zauberkräfte - dennoch gelingt es ihr nicht, ihre Mutter zu retten. Nun ist sie ganz auf sich allein gestellt – vielleicht nicht ganz allein, denn Hazel hat irrtümlich eine kleine Haselmaus verzaubert, die ihr nun als verlässlich missgelaunter Gefährte zur Seite steht. Gemeinsam machen sich das Mädchen und die Maus auf, um den Dämon zu verfolgen und Hecate zu befreien. Doch schnell muss Hazel feststellen, dass das Leben außerhalb der Lichtung weitaus gefährlicher ist, als sie angenommen hatte. Gnadenlose Hexenjäger bevölkern die Landstriche – und die wenigen verbliebenen Hexen schrecken nicht davor zurück, sich die Macht der gefährlichen Dämonen zunutze zu machen, um sich zu verteidigen. Als Hazel den jungen David trifft, den Gehilfen des genialen - doch unglücklicherweise meist betrunkenen - Dämonenjägers Titus schöpft sie Hoffnung; doch sie ahnt noch nicht, dass der Junge und sein Meister auch berühmt dafür sind, Hexen aufzuspüren …

Ich wurde vor allem durch das wunderschöne Cover auf das Buch aufmerksam. Es passt perfekt zum Inhalt und ist ein Hingucker im Bücherregal.

Hazel lebt mit ihrer Mutter Hecate auf einer Waldlichtung. Hecate ist eine Heilerin und vermutet auch bei Hazel magische Fähigkeiten. Diese zeigen sich, als Hecate von einem Dämon entführt wurde. Die Feuermagie die in Hazel erwacht ist sehr selten. Gemeinsam mit ihrem Gefährten Bram, einer Haselmaus, macht sich Hazel auf die Suche nach ihrer Mutter und muss vielen Gefahren entgegentreten.

Der Schreibstil von Matt Ralphs ist wirklich toll. Ich mochte die Dialoge zwischen Hazel und Bram ebenso, wie die Beschreibung der verschiedenen Orte. Auch wenn Hazel erst zwölf ist, ist sie auf eine sehr authentische Art und Weise mutig und sehr liebenswert. Das Buch richtet sich natürlich an eine deutlich jüngere Zielgruppe als ich es bin, doch auch Erwachsene können bei diesem Buch auf ihre Kosten kommen. Hazels Reise las ich durchgehend sehr gerne. Ein paar der Ideen empfand ich als sehr originell und auch die Spannung kam nicht zu kurz. Denn auch, wenn das Buch sich vor allem an 12 - 15 Jährige richtet, ist es stellenweise sehr grausam.

Fazit: Ein spannender historischer Jugendfantasyroman, bei welchem Jung und Alt auf ihre Kosten kommen können. Witzig und dennoch packend und getragen von authentischen Charakteren, die man gerne verfolgt. 

Sonntag, 9. Oktober 2016

Rezension: Jonas Karlsson - Das Zimmer

OT: Rummet
Preis Ebook: 13,99 €
Preis Hardcover: 17,99€ 
Seitenanzahl: 176 Seiten
Verlag: Luchterhand 

ISBN: 978-3630874609
Erscheinungsdatum: 11. April 2016
Genre: Roman
Reihe: Einzelband 
Meine Wertung: 5/5 Sterne

Klappentext Der moderne Mensch im Hamsterrad und seine Suche nach Glück. Von unausstehlichen Kollegen umgeben, in ein Großraumbüro gepresst, kann Björn sein Glück kaum fassen, als er eines Tages ein kleines, geheimes Zimmer entdeckt.

Das Cover sorgte dafür, dass ich mir "Das Zimmer" genauer ansah. Zu sehen ist ein Mann im Anzug. Doch statt einer Krawatte, liegt ein zugezogener Strick um seinen Hals. Der erste Satz des Klappentextes "Der moderne Mensch im Hamsterrad und seine Suche nach Glück." erweckte zudem meine Neugier, sodass ich das Buch für einen späteren Kauf auf den Wunschzettel verschob. Als das Buch dann noch in der Literatursendung Literaturclub (22.06.2016) zu sehen war, kam ich nicht umhin, mich diesem dünnen Büchlein zu widmen.

Anhand meiner Wertung kann man schon erkennen, dass mich das Werk des schwedischen Autors Jonas Karlsson komplett begeistert hat. Bildhaft beschreibt er das Arbeiten in dem Großraumbüro einer Behörde. Der Protagonist Björn ist neu an seinem Arbeitsplatz. Von ihm erfährt der Leser weder Alter noch optische Beschreibung, was jedoch nicht weiter wichtig ist, da der Charakter umso ausführlicher und authentischer dargestellt wird. Björn ist kein sympathischer Mensch, im Gegenteil. In seinen Augen ist er allen anderen überlegen...meilenweit, und lässt das seine Kollegen auch deutlich spüren. Sein Tag ist genaustens durchgeplant: 55 Minuten effektive Arbeit, 5 Minuten Pause. In diesen 5 Minuten geht er zur Toilette und spricht, wenn es denn sein muss, mit seinen Kollegen. Während der 55 Minuten Arbeitsphase ist daran nicht zu denken. Gleich zu Beginn des Buches entdeckt Björn ein kleines Zimmer, in welches es ihn im Laufe der Geschichte immer öfter zieht. Hier kann er sich ausruhen, sich kurz erholen. Doch dieses Verhalten findet bei den Kollegen keinen Anklang. Nicht zuletzt, weil sie felsenfest behaupten, das Zimmer würde nicht existieren.

Zu Beginn des Buches, fand ich Björn einfach nur unausstehlich. Und ich liebe Protagonisten, die ich unausstehlich finde. Björn ist der absolute Albtraumkollege: Überheblich und pedantisch. Umso überraschter war ich, als ich mich irgendwann mit Björn identifizierte und auf seiner Seite stand.

Ebenso überzeugen konnte mich der tolle Schreibstil des Autors. Ich sah das Großraumbüro vor mir, ebenso wie den Flur und das Zimmer. Ich sah die verkniffenen Mienen der Kollegen, Hasans Koteletten und Hannahs Pferdeschwanz. Ich fühlte Björns Gefühle. Der Schreibstil selbst ist einfach und schnell zu lesen. Vor allem aber, ist jedes Wort perfekt gewählt.

Das Buch ist nicht spannend im herkömmlichen Sinn und doch konnte ich es nicht aus der Hand legen. Ich wollte wissen, wie Björn mit den Konflikten umgeht und unbedingt erfahren, wie sich seine Kollegen ihm gegenüber im weiteren Verlauf verhalten. Ich konnte mich dem Schreibstil, der dichten Atmosphäre und der Geschichte einfach nicht entziehen.

Auch das Ende, das für mich an genau der richtigen Stelle kam, hat mir sehr gut gefallen. Nachdem ich die Geschichte ein wenig sacken lies, stellte ich mir die Frage: Was hätte Jonas Karlsson hier meiner Meinung nach besser machen können? Mehr / Weniger Seiten? Eine genauere Beschreibung der Charaktere? Eine genauere Beschreibung des Großraumbüroalltags? Mehr Action? Die Antwort darauf lautete: Nichts. Denn für mich war das Buch genau auf den Punkt und einfach perfekt.

Fazit: Ein Buch, das den Leser zwingt, sich mit einer völlig unsympathischen Person zu identifizieren. Ein Buch, das auf verschiedenste Arten und Weisen unterhält und zum Nachdenken anregt.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Rezension: Joelle Charbonneau - Die Auslese 03 Nichts ist, wie es scheint



OT: Graduation Day
Preis Ebook: 13,99 €

Preis Hardcover: nicht mehr erhältlich! 
Seitenanzahl: 384 Seiten 
Verlag: Penhaligon

ISBN: 978-3764531195
Erscheinungsdatum: 24. Mai 2016 
Genre: Dystopie
Reihe: Band 3/3 
Meine Wertung: 2,5 Sterne

Klappentext Cia Vale hat die gefährliche Auslese überlebt, während sich Chaos und Wut in der Gesellschaft ausbreiten. Ein verheerender Bürgerkrieg steht bevor, und die Rebellen schmieden einen Plan, die grausame Regierung zu stürzen. Auch Cia ist bereit, um das Ende der Auslese zu kämpfen, aber sie kann es nicht alleine tun. Sie hofft auf die Loyalität ihrer Kameraden, doch das kann tödlich für sie enden. Denn Täuschung und Wahrheit liegen nah beieinander. Und der Einsatz ist hoch, denn auf dem Spiel steht das Leben all derer, die sie liebt. Wem kann Cia vertrauen?

1,5 Jahre war es her, dass ich Band 2 gelesen hatte, als ich das Finale dieser Trilogie in den Händen halten durfte. Der erste Band konnte mich damals sowohl überraschen als auch überzeugen, doch der zweite Band setzte noch einen oben drauf und wurde im Bereich Dystopie sogar mein Jahreshighlight 2015. Dementsprechend groß waren die Erwartungen an diesen Abschluss.

Wie man schon an meiner Bewertung erkennen kann, konnten diese Erwartungen nicht erfüllt werden. Der Anfang des Buches konnte mich sofort wieder in Cias Welt ziehen und ich freute mich, dass meine Befürchtung, zuviel der Vorgänger vergessen zu haben, nicht bestätigt wurde. Geschickt gibt die Autorin immer wieder kleinere Hinweise, die die Erinnerung auffrischen, jedoch nicht das Gefühl vermittlen alles doppelt zu lesen oder sich durch endlose Wiederholungen quälen zu müssen. Der Einstieg fiel mir also sehr leicht. Doch leider hielt die Spannung nicht lange an. Ich kann nicht genau sagen, woran das lag. Es gab durchaus spannende Momente, doch diese drangen irgendwie nur schwer bis gar nicht zu mir durch.

Der Schreibstil von Joelle Charbonneau hat mir auch hier wieder sehr gut gefallen und ist genau wie bei den Vorgängern sehr bescheibend und bildhaft. Trotzdem schaffte auch dieser nicht, mich ganz zu erreichen. In Band 2 gab es relativ zu Beginn die Begegnung zwischen Cia und einer Schlange. Die Bewegungen der Schlange sowie die Atmosphäre und Cias Angst waren greifbar und in meinen Augen waren diese wenigen Seiten ganz große Kunst. Solche Stellen suchte ich in Band 3 leider vergeblich.

Leider gab es in diesem letzten Band deutlich weniger originelle Ideen als in den Vorgängern. Die Randfiguren wie bspw. Thomas, die Rebellen oder die Präsidentin blieben weitestgehend blass und farblos. Auch Cia entwickelte sich im großen Finale kaum weiter, was ich sehr schade fand. Lediglich ihre gemischten Gefühle der einzelnen Personen gegenüber (Wem kann ich trauen?) wirkten auf mich sehr glaubhaft.

Das Ende war für mich in Ordnung, jedoch sehr vorhersehbar. Leider schlug ich dieses Buch recht enttäuscht zu.


Fazit: Leider kein würdiger Abschluss einer Trilogie, die so großartig begann.