Montag, 7. November 2016

Rezension: Stewart O'Nan - Westlich des Sunset

OT: West of Sunset
Übersetzung: Thomas Gunkel
Preis Ebook: 16,99 €
Preis Hardcover: 19,95€
Seitenanzahl: 416 Seiten
Verlag: Rowohlt

ISBN: 978-3498050450
Erscheinungsdatum: 26. März 2016
Genre: Roman
Reihe: Einzelband
Meine Wertung: 5/5 Sterne

Klappentext Mit "Der große Gatsby" hatte er Weltruf erlangt. Doch das ist lange her. Als er einundvierzigjährig in Hollywood ankommt, scheint seine Alkoholsucht unbezähmbar, seine Frau Zelda lebt, mit einer offenbar unheilbaren bipolaren Störung, in einer psychiatrischen Klinik in Montgomery, das Verhältnis zu seiner Tochter Alabama ist schlecht. Er zieht in die Villenanlage Garden of Allah, wo sich abends eine muntere Schar aus den umliegenden Hollywood Hills am Pool trifft: Humphrey Bogart, Valentino, Joan Crawford, Gloria Swanson, die Marx Brothers, u. a. Man ist, beginnt man dieses Buch zu lesen, gleich mitten drin in dieser farbigen Welt der Stars, im Reich der Superreichen und Erfolgreichen, um Zeuge zu werden, wie Fitzgerald sich als zweifelnder Beobachter zu behaupten versucht, und in der Klatschreporterin Sheilah Graham noch einmal eine große Liebe findet.

Ich habe zuvor noch kein Buch von Stewart O'Nan gelesen und hätte auch dieses Buch vermutlich nicht für mich entdeckt, wenn mich die Buchbesprechung des Literaturclubs von Juni nicht so neugierig gemacht hätte. Nach dieser Sendung musste ich das Buch unbedingt lesen und bereute es keine Sekunde. Der Schreibstil von Stewart O'Nan fesselte mich von der ersten Seite an und lies mich bis zum Schluss nicht mehr los. Stewart O'Nan beschreibt perfekt Gefühle und Situationen, sodass ich die Geschichte nicht nur las sondern auch fühlte. Dabei schreibt er so wundervolle Sätze, die immer wieder eine Gänsehaut auf meinen Armen verursachten. So schrieb er beispielsweise über L.A.:

"Trotz ihrer tropischen Schönheit hatte die Stadt etwas Reizloses, Hartes, etwas Vulgäres, das so unzweifelhaft amerikanisch war wie die Filmindustrie, die durch die endlosen Wellen arbeitshungriger Migranten florierte und ihnen nichts Handfesteres als Sonnenschein bot." (S.59)

"Westlich des Sunset" handelt von Scott Fitzgerald letzten drei Lebensjahren. Während er in den 20er mit seiner Frau Zelda ein Leben in Saus uns Braus führte, schaffte er es in seinen frühen 40ern gerade so zu überleben. Seine Frau Zelda lebte aufgrund bipolarer Störungen in einer Nervenklinik, was eine erfüllte Ehe verhinderte und Scott schaffte es immer nur gerade so, finanziell nicht komplett unterzugehen. In Hollywood verdiente er sein Geld als Drehbuchschreiber, wobei ihm immer nur gewisse Dialoge oder Szenen zugewiesen wurden. Von heut auf morgen konnten Projekte fallen gelassen werden und er musste wieder von vorne beginnen. Dabei beschreibt Stewart O'Nan auch die harte Welt in Hollywood. Mitschreiber an den Drehbüchern werden namentlich nur dann genannt, wenn sie den Großteil des Drehbuchs geschrieben haben. Ansonsten fällt das Mitwirken unter den Tisch. Scott Fitzgerald verfiel dem Alkohol und litt unter dem schwierigen Verhältnis zu seiner Frau sowie seiner Tochter, die in einem Internat lebte.

Als Leser erlebt man hautnah den Abstieg eines in der Vergangenheit gut situierten Mannes, der nach und nach alles verliert. Immer wieder scheint es bergauf zu gehen, doch dies ist meist nicht von langer Dauer. Wir sind dabei, wie Scott in seinen letzten Lebensjahren noch einmal die große Liebe zu einer viel jüngeren Frau findet, die sein Anker wird, auch wenn die Beziehung niemals leicht ist. Ich könnte mir vorstellen, dass einigen Lesern das Tempo des Buches zu gering ist. Es ist fesselnd geschrieben und auch die Faszination bezüglich der Fitzgeralds sowie der Filmindustrie konnte mich durchweg bei Laune halten. Dennoch ist es ein ruhiges Buch.

Das Ende von "Westlich des Sunset" berührte mich sehr. In der groben Handlung beinhaltete das Buch natürlich nichts Neues, da es ein biografischer Roman ist. Dennoch konnte mich das Buch durch die vielen Details, den wundervollen Schreibstil und die verschiedenen Emotionen, die mich beim Lesen überkamen überzeugen und begeistern. Insbesondere das Ende klang lange in mir nach und selbst eine Woche nach der Beendung des Buches, wirkt die Geschichte noch in mir und regt mich zum Nachdenken an.

Fazit: Ein großartiger Roman, der nicht nur für Fans von Scott Fitzgerald ein tolles Leseerlebnis bereit hält.

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