Freitag, 12. Mai 2017

Leseliste: Mai 2017

Hallo zusammen,

für den Mai gibt es genau genommen zwei Leselisten. Ich gehe in der zweiten Monatshälfte für zwei Wochen in den Urlaub und habe somit eine normale Leseliste für zuhause sowie eine Urlaubsleseliste zusammen gestellt.


Besonders schwer getan habe ich mich bei der Auswahl meiner Urlaubslektüre. Folgende Bücher werden mich in den Urlaub begleiten:

Anna Karenina von Lew Tolstoi
Spinner von Benedict Wells
Unterwerfung von Michel Houellebecq
In Stücke gerissen von Miklos Banffy
Das Spiel ist aus von Jean-Paul Sartre
Die New-York-Trilogie von Paul Auster
Emily, allein von Stewart O'Nan


Zuhause möchte ich meine angefangenen Urlaubsbücher beenden und außerdem noch folgende zwei Bücher lesen:

Ein Festtag von Graham Swift
Der Voyeur von Gay Talese

Und was möchtet ihr im Mai gerne lesen?

Samstag, 6. Mai 2017

[Monatsrückblick] April 2017

Hallo zusammen,

folgende Bücher habe ich im April gelesen:


Ein wenig Leben von Hanya Yanagihara (960 Seiten) keine Rezension
Wie Blut so rot von Marissa Meyer (432 Seiten) keine Rezension
Fast eine Familie von Bill Clegg (320 Seiten) Rezension
Das Krokodil von Fjodor Dostojewski (444 Seiten) Rezension
Frauen, die lieben von Emma Straub (416 Seiten) Rezension folgt
Verschwundene Schätze von Miklos Banffy (576 Seiten) Rezension folgt
Leidenschaft ist doch nicht alles von Diane Brasseur (240 Seiten) Rezension


Monatsstatistik April
Anzahl gelesener Bücher: 7
Abgebrochen: 0
Anzahl gelesener Seiten: 3.392
Gelesene Seiten pro Tag (durchschnittlich): ~113 Seiten

Und was habt ihr gelesen?

Donnerstag, 4. Mai 2017

Rezension: Fjodor Dostojewski - Das Krokodil

Preis Ebook: 14,99 €
Preis Hardcover: 24,95 €
Übersetzung: Christiane Pöhlmann
Seitenanzahl: 448 Seiten

Verlag: Manesse
ISBN: 978-3717523628
Erscheinungsdatum: 02. März 2015

Klappentext Fjodor Dostojewski – der Inbegriff von existenzieller Düsternis und qualvoller Seelenanalyse? Diese Sammlung weitet den Blick. Fünf neu übersetzte Erzählungen zeigen den russischen Großmeister von einer überraschend anderen, hierzulande kaum bekannten Seite: als Autor heiterer, satirischer Geschichten.

Die Besichtigung eines leibhaftigen Krokodils scheint Iwan Matwejitsch die geeignete Vorbereitung auf eine Europareise – da wird er von dem monströsen Tier verschluckt. Für niemanden, das Opfer eingeschlossen, ist das ein Anlass zur Klage, befördert die Attraktion eines sprechenden Menschen im Reptilienbauch doch finanzielle Interessen und Eitelkeiten aller Art. Nicht um Geld, aber um seine Glaubwürdigkeit als Mann der Reformen kämpft Staatsrat Pralinski. Um Toleranz zu demonstrieren, taucht er unangemeldet bei der Hochzeit eines Angestellten auf – «Eine peinliche Geschichte» mit chaotischen Folgen. Ob Slapstick, Groteske, sanfte Ironie oder Tragikomik – Dostojewski zieht in diesem Band alle humoristischen Register.


Die Gestaltung dieses kleinen Büchleins ist hervorragend. Ausgestattet mit einem Einband in Krokodillederoptik, einem passend grünen Lesebändchen und dem besonderen Format von 10 x 2,7 x 15,6 cm eignet es sich perfekt als Geschenk. Doch auch der Inhalt kann sich sehen lassen, denn dieses Buch umfasst nicht nur die Kurzgeschichte "Das Krokodil" sondern vier weitere Erzählungen sowie ein umfangreiches Nachwort des Herausgebers Eckhard Henscheid.

Roman in neun Briefen (1847)
Der "Roman in neun Briefen" wird durch den Briefwechsel zweier Männer erzählt. Zu Beginn bezeichnen sich die beiden als Freunde, doch der Ton verschärft sich von Brief zu Brief. Vorwürfe bestimmen den Ton und der Leser fühlt sich zwischen den beiden Männern hin- und hergerissen, kann die Beweggründe beider verstehen. Das an der Nase herumführen gelang Dostojewski mit dieser Erzählung hervorragend und mit einer ordentlichen Portion Humor.

Das Krokodil (1865)
"Das Krokodil" ist wahrscheinlich die absurdeste Geschichte dieses Sammelbandes. Jeder Charakter der Geschichte, versucht das Beste aus der Situation, in der Matwejitsch bei lebendigem Leibe von einem Krokodil verschluckt wird und in dessen Körper weiter lebt, zu machen. Die Reaktionen sind komisch, tragisch und bringen den Leser zum Schmunzeln.

Eine peinliche Geschichte (1862)
Mein Favorit ist ganz klar "Eine peinliche Geschichte". An Komik war diese Erzählung kaum zu überbieten. Die Geschichte, in welcher sich ein Mann hohen Ranges dazu entschließt durch Menschlichkeit und Nähe, die Liebe des niederen Volkes zu gewinnen und so ziemlich alles falsch macht, was man nur falsch machen kann, brachte mich nicht nur mehrfach zum Lachen, sondern auch zum Fremdschämen.

Die Sanftmütige (1876)
Die große Überraschung dieses Sammelbandes kam mit "Die Sanftmütige". Ich war darauf eingestellt auch hier eine komische Geschichte zu lesen, allerdings handelt diese Erzählung von der Geschichte einer Selbstmörderin. Wie es zu dem Selbstmord kommen konnte schildert ihr Ehemann, der an dem Unglück der Frau nicht ganz unbeteiligt war. Diese Geschichte ist weder komisch noch heiter, aber sehr spannend und eindringlich.

Ein kleiner Held (1857)
In „Ein kleiner Held“ (1857) blickt ein Mann zurück auf seine erste Schwärmerei mit elf Jahren. Dabei geriet er in die Irrungen und Wirrungen auf einem Gutshof. Diese Geschichte überraschte mich mit Dostojewskis Einfühlungsvermögen in die Gefühle eines pubertierenden Jungen. Auch in dieser Erzählung gibt es zwar einige witzige Stellen, doch die Geschichte wird vor allem durch den bildhaften Schreibstil und die Authentizität der Charaktere getragen.

Abgerundet wird dieser Sammelband durch Fußnoten, Anmerkungen und einem interessanten Nachwort von Eckhard Henscheid.

Fazit: Empfehlenswert für alle, die sich für russische Literatur interessieren. Egal, ob Dostojewski-Kenner oder Dostojewski-Neuling.

Sonntag, 30. April 2017

Rezension: Diane Brasseur - Leidenschaft ist doch nicht alles

OT: Je ne veux pas d'une passion 
Übersetzung: Bettina Bach
Preis Ebook: 14,99 €
Preis Hardcover: 16,90€

Seitenanzahl: 240 Seiten
 
Verlag: dtv 
ISBN: 978-3423261517
Erscheinungsdatum: 07. April 2017 

Klappentext Leidenschaft ist nicht alles« – mit diesen Worten verlässt ein Mann seine Freundin. Der Abend zu zweit ist vorüber, noch ehe er beginnen konnte, die Liebesgeschichte auch. Die junge Frau bestellt Champagner und lässt ihr Verhältnis Revue passieren: das unverhoffte Kennenlernen, die Motorradfahrten durch das nächtliche Paris, die erste gemeinsame Nacht. Was hat sie übersehen? Woran ist auch diese Beziehung gescheitert? Berührend und mit chirurgischer Präzision entfaltet Diane Brasseur das innere Drama einer jungen Frau, der nach und nach bewusst wird, dass es bislang nur einen Mann in ihrem Leben gegeben hat, dem sie die Treue hielt: ihren Vater. Längst sind aus dem Sicherheitsnetz Fesseln geworden. Zu fest, um sie zu lösen? 

Gut zwei Jahre ist es her, dass ich begeistert Diane Brasseurs Debüt Der Preis der Treue las. Ihr zweites Werk "Leidenschaft ist doch nicht alles" erwartete ich sehnsüchtig. Zum zweiten Mal lässt die Autorin den Leser in die Gedankenwelt des Protagonisten eintauchen, schafft hierbei eine Geschichte aus Vergangenem und Selbstreflexion.

Diane Brasseur ist eine der wenigen Autorinnen, die ich nach wenigen Zeilen sofort erkennen würde. Ihr Schreibstil ist einzigartig in seiner Zartheit und seiner Poesie. Die Einfachheit ihrer Sprache, die kurzen Sätze berühren ebenso wie die Beschreibung scheinbar ganz normaler, alltäglicher Dinge.

Im Mittelpunkt steht dieses Mal eine vierunddreißigjährige Frau, deren Name unbekannt bleibt. Seit ihrer Kindheit hat sie ein enges Verhältnis zu ihrem Vater, dem einzigen Mann, mit dem sie je zusammenlebte. Die Beziehung zu ihrem Vater nimmt einen großen Teil des Buches ein. Dieser Teil ist an Detailgenauigkeit und Authentizität nicht zu überbieten. Beschrieben wird die Ähnlichkeit der beiden, mit welcher sie sich gegenseitig zur Weißglut bringen.

"Die Vorliebe für Tragödien habe ich von ihm geerbt. Mir geht Intensität über alles, wie ihm. Über nichts ärgere ich mich mehr, als wenn man mir sagt: Du bist deinem Vater aber ähnlich." (S. 55)

Gleichzeitig wird die intensive Liebe, die sie füreinander empfinden, beschrieben. Das innige Gefühl, des verletzt seins, wenn ein geliebter Mensch gekränkt wird, berührte mich ganz besonders. Ebenso thematisiert werden die ganz normalen Peinlichkeiten. Zum Beispiel, den Freund mit nach Hause zu bringen, der von dem Vater nur "junger Mann" oder bei guter Laune "junger Mann aus gutem Hause" genannt wird oder die Scham, wenn der Vater sich am Geburtstag als Clown verkleidet, auch wenn alle Kinder einen um den coolen Vater beneiden.

Doch auch als Berater in Liebesdingen, fungierte der Vater der Protagonistin ganz hervorragend. 

"Ich bitte dich inständig, sei so gut und zwinge dich zu nichts, es gibt nichts Traurigeres als vorgetäuschte Liebe." (S. 13)

Nachdem das Buch mit der Szene, in welcher Protagonistin von ihrem Freund verlassen wird, beginnt, erfahren wir mehr über das Kennenlernen und die ersten Monate der Beziehung.

"Während er mit mir redete, streckte er die Hand zu mir aus, um mein Bein zu berühren, wie ein Autofahrer der seiner Beifahrerin bei Rot die Hand aufs Knie legt.
Eine spontane Geste, die mir direkt ins Herz und in den Unterleib fuhr. Seine langen Pianistenfinger mit den gewölbten, vom Tabak leicht verfärbten Nägeln hatten sich von der Tischkante gelöst und waren langsam auf mich zugekommen.
Wenige Zentimeter vor meinem Schenkel hielt die Hand inne. Diese unterbrochene Geste war die allerzarteste, allerunauffälligste Liebkosung gewesen." (S.46)

"Auf dem Heimweg war mir ständig dieser Satz durch den Kopf gegangen, von dem ich glaubte, er gelte nicht für mich: "Er ist der Richtige." Endlich gab es keinen Zweifel mehr: Ich war, wie alle anderen." (S.51)

Diane Brasseur führt uns durch all die besonderen Ereignisse und Kleinigkeiten, welche die meisten Paare in den ersten Monaten erfahren. Der erste Streit wegen etwas völlig Unwichtigem, das Kennenlernen der Eltern, das Beobachten von Gewohnheiten, die Vorbereitungen, wenn der Geliebte nach einer Reise zurück kommt und man ihn am Flughafen abholen möchte sowie die Leidenschaft und der Sex. Diese Liebe zu einem Mann, die sie mit 34 Jahren das erste Mal in der Form erlebt, ist ebenso authentisch beschrieben, wie die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Die Erlebnisse sind so bildhaft, dass sie sich wie ein Film vor meinen Augen abspielten.

Fazit: Meine Erwartungen an "Leidenschaft ist doch nicht alles" waren aufgrund des vorhergehenden Werkes nahezu gigantisch und konnten voll und ganz erfüllt, wenn nicht gar übertroffen werden. Wieder erschaffte Diane Brasseur eine authentische und mitreißende Geschichte über die ersten Monate einer Liebe sowie der Liebe zwischen Vater und Tochter. Dabei bleibt vieles unausgesprochen, das Ende offen.

Dienstag, 18. April 2017

Rezension: Bill Clegg - Fast eine Familie

OT: Did you ever have a family
Übersetzung: Adelheid Zöfel

Preis Ebook: 18,99 €
Preis Hardcover: 22,00€

Seitenanzahl: 320 Seiten

Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3100023995
Erscheinungsdatum: 23. Februar 2017 

Klappentext  Am Morgen der Hochzeit ihrer Tochter geht June Reids Haus in Flammen auf und reißt ihre ganze Familie in den Tod. Nur June überlebt. Taub vor Schmerz, setzt sie sich in ihren Subaru und fährt quer durch die USA. Eine alte Postkarte ihrer Tochter führt sie in ein kleines Motel an der Westküste, das Moonstone Motel, wo sie sich unter falschem Namen einmietet. Hier, glaubt sie, wird niemand sie finden. Das amerikanische Provinznest Wells überschlägt sich derweil vor Gerüchten. Alle sind auf die eine oder andere Art von der Tragödie betroffen, und das Kleinstadtgerede offenbart allmählich eine unheilvolle Verkettung von Familientragödien. Während June in der dumpfen Anonymität des Motels jeden zwischenmenschlichen Kontakt meidet, spannt sich unter ihr unbemerkt ein Netz wahrer Mitmenschlichkeit – es könnte sie auffangen und zurück ins Leben holen. 

In der Nacht vor der Hochzeit ihrer Tochter Lolly geht Junes Haus in Flammen auf. Lolly und ihr Verlobter sterben ebenso wie Junes Exmann und ihr neuer Partner. Dieses Unglück ist der Ausgangspunkt des Buches. Aus der Sicht verschiedener Personen erfahren wir mehr über die Zusammenhänge, aber auch mehr über deren Leben vor und nach dem Unglück. Das Buch ist in kurze Kapitel unterteilt, die Perspektive wechselt häufig und unregelmäßig. Manche Charaktere kommen nur einmal zu Wort, die Erzählungen erfolgen nicht in chronischer Reihenfolge. Mit dem Wechsel der Perspektive ändert sich auch der Erzählstil des Autors. Neben June, deren Perspektive vor allem von der schwierigen Beziehung zu ihrer Tochter erzählt, kommt häufig auch Lydia, die Mutter des verstobenen Luke (Junes neuer Partner), zu Wort. Ihre Geschichte handelt von Abhängigkeit, von Schwäche und Stärke zugleich und von Einsamkeit. Wir erfahren, wie sie ihren gewalttätigen Exmann mit einem beinahe Fremden betrog und in ihrer Stadt seither ohne jeglichen Respekt behandelt wird. Das Thema Tratsch in einer kleinen Stadt ist in diesem Buch allgegenwärtig. Jeder meint mehr über Dinge zu wissen die ihn eigentlich nichts angehen. So wird Luke aufgrund seiner Hautfarbe automatisch zum Buhmann der Stadt. Auch June wird aufgrund ihrer Beziehung zu einem viel jüngeren Mann verurteilt.

Zu Beginn des Buches war ich verwirrt. Die kurzen Kapitel aus der Sicht unterschiedlicher Charaktere wollten nicht genau zusammen passen. Ich hatte Probleme damit die Charaktere in eine Beziehung zu setzen. Ich konnte nicht einschätzen wer einen geliebten Menschen durch den Brand verloren hatte. Doch diese Verwirrung legte sich schnell und die vielen Kapitel waren wie kleine Puzzleteile, welche die Geschichte zusammensetzten. Schnell packte mich die Geschichte und ich konnte es kaum erwarten mehr von den unterschiedlichen Charakteren zu erfahren. Die Charaktere und deren Schicksale, die niemals zu dramatisch beschrieben wurden, interessierten und faszinierten mich. Bill Clegg hat in diesem Werk viele authentische und detailliert beschriebene Charaktere von ihrer unvollkommenen und verletzlichen Seite gezeigt.

Als besonders eindringlich empfand ich eine Szene, in der eine einsame Frau mehrfach von einem Telefonbetrüger kontaktiert wird. Obwohl sie weiß, dass der Anrufer ihr keinen Lottogewinn überweisen, sondern sie um 700€ betrügen wird, überweist sie ihm das Geld und geht immer wieder ans Telefon. Sie ist einsam und telefoniert lieber mit einem Betrüger, als dass sie wieder wochenlang mit niemandem spricht.

"Sie beugt sich vor und lässt den Hörer auf den Schoß sinken. Die Stimme in ihrer Hand ist alles, was sie hat. Also: nichts. Sanft schaukelt sie vor und zurück und wünscht sich, sie könnte verschwinden. Sie fühlt sich maßlos einsam, einsamer als in den Wochen nach Lukes Tod." (S. 208)

Neben den unterschiedlichen Charakteren wird auch der Brand genauer thematisiert. Immer wieder tauchen kleine Details auf, die auf die Ursache des Brandes hinweisen. Wie dieser tatsächlich entstand wird zum Ende hin aufgelöst. Als Leser hat man das Gefühl, dass all die kurzen Kapitel wirklich ein großes Ganzes bilden, auch wenn einige Fragen (wie die Charaktere ihr Leben im Anschluss gestalten) offen bleiben.

Fazit: Eine ergreifende Geschichte über unterschiedliche Menschen und deren Leben. Eine Geschichte, die insbesondere durch die herausragende Charakterzeichnung und die ungewöhnliche, gekonnte Erzählform berührt.

Dienstag, 11. April 2017

[Monatsrückblick] März 2017

Hallo zusammen,

folgendes gab es bei mir im März zu Lesen und zu Sehen:

Bücher


Monatsstatistik März
Anzahl gelesener Bücher: 6
Abgebrochen: 0
Anzahl gelesener Seiten: 2.926
Gelesene Seiten pro Tag (durchschnittlich): ~94 Seiten

Filme & Serien
Filme habe ich im März nicht gesehen. Dafür habe ich mit Z - The beginning of everything begonnen. In der Serie geht es um das Leben von Zelda und F. Scott Fitzgerald. Auch wenn einige Dinge (insbesondere die Besetzung) besser sein könnten, finde ich die Serie bisher ganz unterhaltsam.

Was habt ihr im März gesehen und gelesen?

Rezension: Meg Wolitzer - Die Ehefrau

OT: The Wife
Übersetzung: Stephan Kleiner
Hörbuchsprecher: Gabriele Blum
Preis Hörbuch: 18,99€
Preis Ebook: 18,99€
Preis Hardcover: 23,00€

Seitenanzahl: 416 Seiten / 6h 54 Min (gekürzte Fassung)
Verlag: derHörverlag
ISBN: 978-3-8445-2177-1

Erscheinungsdatum: 22. August 2016
Reihe: Einzelband



Klappentext  Als Joan Castleman beschließt, ihren Mann zu verlassen, befinden sie sich gerade 10.000 Meter über dem Meer auf dem Flug nach Helsinki. Joans Mann Joseph ist ein berühmter amerikanischer Schriftsteller, dem ein angesehener Literaturpreis verliehen werden soll. Joan selbst hat 40 Jahre lang ihr eigenes schriftstellerisches Talent für die Karriere ihres Mannes verleugnet. Damit soll jetzt Schluss sein. Mit genauer Beobachtungsgabe folgt Meg Wolitzer der Ehe der Castlemans: von der jungen Studentin, die sich in ihren Professor verliebt, zum umschwärmten Paar der literarischen Zirkel im New York der 80er Jahre. Bis hin zu dem Punkt, als Joan der Lüge um den umjubelten Schriftsteller ein Ende bereitet …

"Die Ehefrau" beschreibt das Leben der ca. 60-jährigen Joan Castleman. Ein Leben, das durch Verzicht und Zurückstecken gekennzeichnet ist. "Die Ehefrau" ist ein feministischer Roman und zeigt die Ehe, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten (teilweise auch heute noch) verstanden und gelebt wurde. Hierbei schiebt die Autorin nicht dem "bösen Ehemann" die Schuld in die Schuhe, sondern zeigt viel mehr auf, wie Passivität das eigene Leben beeinflussen kann. Denn Joan ist in Bezug auf sich selbst passiv, nachdem sie Joseph kennenlernte. Sie war eine junge Studentin mit einem großen schriftstellerischem Talent und eigenen Träumen. Joseph war ihr Professor, verheiratet und Vater einer Tochter. Sein Schreiben war eher schlecht als recht. Als Joan seinen ersten Text las, war sie enttäuscht. Zu konstruiert in der Handlung, zu hölzerne Charaktere. Und doch unterstützt sie ihn, redet ihm gut zu. Und schläft trotz ihrer eigenen Wertvorstellungen mit ihm, dem verheirateten Mann. Als Joseph sich von seiner Frau trennt und Joan heiratet, steckt Joan immer mehr zurück. Sie begleitet ihn auf all seinen Reisen, ist für ihn da, wenn er entmutigt ist, akzeptiert seine Seitensprünge. Doch wann ist er für sie da, wenn sie ihn braucht? Und was bestimmt eigentlich ihr Leben abgesehen von ihrem Mann und ihren Kindern? Der Titel des Buches "Die Ehefrau" bekommt während dem Lesen eine immer größere Bedeutung. Mit der Heirat verschwindet immer mehr von Joan und irgendwann ist sie nur noch "die Ehefrau".

Die Handlung selbst ist weder mitreißend noch hochspannend. Das Thema an sich dafür umso mehr. Was bewegt eine Frau dazu sich dermaßen unterzuordnen? Welcher Mann nimmt eine Frau so sehr in Anspruch und merkt nicht, dass er damit dafür sorgt, dass sie sich selbst verliert? Die Fragen, die dieses Buch aufwirft, sind unglaublich wichtig. Durch die authentischen und vielschichtigen Charaktere habe ich mich keine Sekunde gelangweilt.

Der Schreibstil von Meg Wolitzer ist sehr beschreibend und treffsicher in der Wortwahl. Sie ist eine der Autorinnen, bei welchen der Schreibstil heraussticht, bei welchem man sofort merkt "DAS ist Meg Wolitzer" und sich wünscht, selbst so schreiben zu können.

Die Stimme und Tonlage der Hörbuchsprecherin Gabriele Blum waren passend und angenehm.

Fazit: Ein nachdenklich machendes Buch, mit authentischen Charakteren und wichtigen Fragen.

Montag, 10. April 2017

Rezension: Martin Suter - Elefant

Preis Ebook: 20,99 €
Preis Hardcover: 24,00 €
Seitenanzahl: 176 Seiten

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3257069709
Erscheinungsdatum: 18. Januar 2017 

Klappentext Ein Wesen, das die Menschen verzaubert: ein kleiner rosaroter Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Plötzlich ist er da, in der Höhle des Obdachlosen Schoch, der dort seinen Schlafplatz hat. Wie das seltsame Geschöpf entstanden ist und woher es kommt, weiß nur einer: der Genforscher Roux. Er möchte daraus eine weltweite Sensation machen. Allerdings wurde es ihm entwendet. Denn der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der die Geburt des Tiers begleitet hat, ist der Meinung, etwas so Besonderes müsse versteckt und beschützt werden.

Die Handlung von "Elefant" ist schnell erzählt. Die Geschichte um den kleinen, rosaroten Elefanten der im Dunklen leuchtet wird auf zwei Ebenen geschildert. Zum einen erfährt der Leser, wie dieses niedliche Geschöpf überhaupt zustande kam, zum anderen, wie der Obdachlose Schoch sich dessen annimmt und vor dem Genforscher beschützt.

Ja, der kleine rosa Elefant ist unglaublich niedlich. Gegen diese Niedlichkeit war auch ich nicht immun und so genoss ich besonders die Stellen, in welchen der Elefant Mittelpunkt des Geschehens war. Die Geschichte selbst empfand ich weder als besonders spannend, noch als besonders originell. Dennoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen und konnte es auch nur schwer aus den Händen lesen. Ich interessierte mich für die Zukunft der Charaktere, insbesondere der, des kleinen Elefanten. Martin Suter erzählt die Geschichte in einfachen, kurzen Sätzen, welche ein schnelles vorankommen ermöglichen. Der Text ist sehr leicht zu lesen und eignet sich somit gut für Zwischendurch oder dafür, nach langen Arbeitstagen noch ein paar Seiten im Bett zu lesen, ohne sich groß anstrengen zu müssen. 

Sehr gut gefallen hat mir der Einblick in das Leben eines obdachlosen Alkoholikers. Hier hätte Martin Suter gerne noch mehr ins Detail gehen können. Den Protagonisten Schoch empfand ich als wenig vielschichtig. Natürlich ist er nicht einfach nur ein Obdachloser, sondern ein ehemaliger Investmentbanker, der sich irgendwann für das Leben auf der Straße entschieden hat. Auch die anderen Charaktere waren recht einfach in ihrer Konstruktion und stereotyp.

Zum Ende hin, nahm das Buch an Fahrt auf. Auch wenn dieses ebenfalls nach dem Motto "rosarot" abgehandelt wurde, schloss es das Buch auf eine angenehme Art ab.

Fazit: Ein unterhaltsames, nettes Büchlein für Zwischendurch, bei welchem der Autor bezüglich der Charaktere und zu den Themen Obdachlosigkeit, Alkoholismus und Genforschung gerne etwas mehr ins  Detail hätte gehen können.
  

Sonntag, 9. April 2017

Rezension: Chris Kraus - Das kalte Blut

Preis Ebook: 27,99 €
Preis Hardcover: 32,00 €
Seitenanzahl: 1.200 Seiten

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3257069730

Erscheinungsdatum: 22. März 2017 

Klappentext Zwei Brüder aus Riga machen Karriere: erst in Nazideutschland, dann als Spione der jungen Bundesrepublik. Die Jüdin Ev ist mal des einen, mal des anderen Geliebte. In der leidenschaftlichen Ménage à trois tun sich moralische Abgründe auf, die zu abenteuerlichen politischen Ver­wicklungen führen. Die Geschichte der Solms ist auch die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert: des Untergangs einer alten Welt und die Erstehung eines unheimlichen Phönix aus der Asche.

"Das kalte Blut" ist ein Koloss, ein echter Wälzer mit seinen 1.200 Seiten. Doch selten habe ich ein Buch solch enormen Umfangs verschlungen, wie "Das kalte Blut". Oft gehen entweder dem Erzähler oder dem Leser (häufig auch beiden) während des Buches die Luft aus. So gut ein Buch dieses Umfangs auch ist, verspüre ich während des Lesens häufig das Bedürfnis nach etwas Anderem, nach Abwechslung, nach einer kleinen Pause. Bei diesem Buch war dies nicht der Fall. Ich hasste die erzwungenen Pausen die ich einlegen musste, denn Abwechslung bringt dieses Buch zu Genüge. Auf keiner Seite habe ich mich gelangweilt.

"Und mir wurde klar, warum der Mensch den Menschen liebt, da er ihn nämlich lieben muss, weil das für jeden Einzelnen die einzige Hoffnung ist, trotz allem ein Mensch zu bleiben." (S. 476)

In großartigem Stil erzählt Chris Kraus die Geschichte der beiden Deutschbalten Koja und Hub. Geschrieben ist dieses Werk aus Kojas Sicht, einem Mann Mitte 60 der aufgrund einer schweren Hirnverletzung, hervorgerufen durch einen Schuss, im Krankenhaus liegt und seine Geschichte seinem Zimmernachbarn, einem friedliebenden Hippie, erzählt. Dabei, so scheint es, geht es ihm vor allem um Eines: Um Vergebung. Darum, dass der Hippie ihm zusichert, dass er keine andere Wahl hatte, dass er kein schlechter Mensch ist, trotz allem, was er in seinem Leben getan hat. Obwohl der Hippie irgendwann nichts mehr von Kojas Vergangenheit hören möchte, erzählt dieser rücksichtslos weiter. Dabei geht Koja zunächst zurück in seine frühe Kindheit, welche er im Riga der 1910er Jahre erlebte. Er führt den Leser in das Leben seiner Familie, insbesondere das seines älteren Bruders Hub und seiner Adoptivschwester Ev. Die besondere Beziehung zu seiner Schwester, die zunächst Hubs Frau und später die seine wird, nimmt schon zu Beginn des Buches einen großen Platz ein. Während seine Schwester offensichtlich in Hub verliebt ist, leidet der noch sehr junge Koja still darunter. Die Brüder treten der SS bei. Hub aus Überzeugung, Koja, weil Hub es tut. Während Hub aus Überzeugung und Hass handelt, folgt Koja allem, was von ihm verlangt wird. Auch wenn er darunter leidet, bringt er nie den Mut, die Kraft auf, sich zu weigern. Immer wieder stellte ich mir die Frage, zu welcher Art von Mensch Koja das macht. Konnte der Holocaust vor allem wegen Menschen wie ihm geschehen? Besonders interessant empfand ich, wie die Brüder in der Mitte des Buches die Rollen tauschen. Nach der SS-Zeit ist Koja Geheimagent für den BND, aber auch für den KGB, sogar den Mossad. Er betrügt und verrät alles und jeden. Das spannende ist, dass all diese Verwicklungen, alle Gräueltaten die Koja während seines Lebens begeht aus Kojas heutiger Sicht geschildert werden.

"Die Wahrheit blieb mein oberstes Gebot, kollidierte aber mit meinem anderen obersten Gebot, dem Selbsterhaltungstrieb." (S. 550) 

Das Besondere an dieser Geschichte ist die unglaubliche Charakterentwicklung der Protagonisten und Nebencharaktere. Die Charaktere können nicht in Schubladen gesteckt werden und das, obwohl die Handlung von den Grausamkeiten des zweiten Weltkrieges erzählt. Es gibt viel Gutes und noch mehr Böses, jedoch findet man in den Charakteren immer von beidem etwas. Dies löste in mir aus, dass ich mit einem Verräter und Mörder Sympathie hegte, dessen Verhalten mich aber zugleich abstieß und anwiderte. Auch die Liebe nimmt einen großen Platz in "Das kalte Blut" ein. Authentisch beschrieben werden hier die Beziehungen innerhalb einer Familie, aber auch die Liebe zwischen Mann und Frau. Dabei entsteht die Frage, ob die Liebe wirklich alles entschuldigt. Entschuldigt die Liebe Mord, Verrat und Lügen?


"Für Ev war es die letzte gewaltige Lüge, nicht für mich. Und deshalb, glaube ich, konnte ich sie nicht verstehen. Denn die letzte gewaltige Lüge ist etwas, was jeden in den Wahnsinn treibt. Was man loswerden muss. Was einen verfolgt." (S.749)

Der Schreibstil des Autors ist große Kunst. Seine Charaktere haben Gesichter, die Atmosphäre geht unmittelbar auf den Leser über und die Sprache ist so bildgewaltig, dass ich oft mit den Tränen zu kämpfen hatte. Die Gefühle der einzelnen Charaktere überwältigten mich.
 
Der Autor schrieb einige Dialoge in jiddisch-daitschem, hessischen oder bayrischen Dialekt, was diese viel lebhafter und authentischer machte. Ich las das Buch, als wäre ich davon besessen, in dem Wissen, dass mir die nächste Seite, der nächste Satz erneut den Boden unter den Füßen wegziehen konnte.

Es gibt eine Szene, in welchem ein Erschießungskommando beschrieben wurde. Einer der jüdischen Männer erkennt Koja, bettelt und fleht um Gnade und wird dennoch von dessen Bruder Hub erschossen. Koja steht daneben und tut nichts. Eine Frau und ihr Baby überleben. Koja erhält den Befehl beide zu erschießen und feuert ein ganzes Magazin auf ihre Mutter und ihr Neugeborenes ab. Eine weitere Szene beschreibt, wie Koja einen Freund findet, der sich das Leben genommen hat. Diese Szenen und viele weitere, erdrückten mich in ihrer Eindringlichkeit.

"Der nächtliche Regen hatte seinen abstehenden Haarkranz flach auf die Kopfhaut geklatscht, als wäre er nie eine Pusteblume gewesen." (S.821)


Fazit: Ein atmosphärisch dichter, mitreißender Roman, der den Leser durch unterschiedlichste Gefühle jagt und in seiner Sprache, der Charakterentwicklung, der Handlung und den Fragen, die aufgeworfen werden, auf ganzer Linie überzeugt.

"Angst ist selten logisch, sonst wäre es keine. Warum sollte man Angst vor Spinnen haben oder vor seinem Chef? Nichts ist jemals logisch, was einem den Schlaf raubt." (S. 1077)