Dienstag, 11. April 2017

Rezension: Meg Wolitzer - Die Ehefrau

OT: The Wife
Übersetzung: Stephan Kleiner
Hörbuchsprecher: Gabriele Blum
Preis Hörbuch: 18,99€
Preis Ebook: 18,99€
Preis Hardcover: 23,00€

Seitenanzahl: 416 Seiten / 6h 54 Min (gekürzte Fassung)
Verlag: derHörverlag
ISBN: 978-3-8445-2177-1

Erscheinungsdatum: 22. August 2016
Reihe: Einzelband



Klappentext  Als Joan Castleman beschließt, ihren Mann zu verlassen, befinden sie sich gerade 10.000 Meter über dem Meer auf dem Flug nach Helsinki. Joans Mann Joseph ist ein berühmter amerikanischer Schriftsteller, dem ein angesehener Literaturpreis verliehen werden soll. Joan selbst hat 40 Jahre lang ihr eigenes schriftstellerisches Talent für die Karriere ihres Mannes verleugnet. Damit soll jetzt Schluss sein. Mit genauer Beobachtungsgabe folgt Meg Wolitzer der Ehe der Castlemans: von der jungen Studentin, die sich in ihren Professor verliebt, zum umschwärmten Paar der literarischen Zirkel im New York der 80er Jahre. Bis hin zu dem Punkt, als Joan der Lüge um den umjubelten Schriftsteller ein Ende bereitet …

"Die Ehefrau" beschreibt das Leben der ca. 60-jährigen Joan Castleman. Ein Leben, das durch Verzicht und Zurückstecken gekennzeichnet ist. "Die Ehefrau" ist ein feministischer Roman und zeigt die Ehe, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten (teilweise auch heute noch) verstanden und gelebt wurde. Hierbei schiebt die Autorin nicht dem "bösen Ehemann" die Schuld in die Schuhe, sondern zeigt viel mehr auf, wie Passivität das eigene Leben beeinflussen kann. Denn Joan ist in Bezug auf sich selbst passiv, nachdem sie Joseph kennenlernte. Sie war eine junge Studentin mit einem großen schriftstellerischem Talent und eigenen Träumen. Joseph war ihr Professor, verheiratet und Vater einer Tochter. Sein Schreiben war eher schlecht als recht. Als Joan seinen ersten Text las, war sie enttäuscht. Zu konstruiert in der Handlung, zu hölzerne Charaktere. Und doch unterstützt sie ihn, redet ihm gut zu. Und schläft trotz ihrer eigenen Wertvorstellungen mit ihm, dem verheirateten Mann. Als Joseph sich von seiner Frau trennt und Joan heiratet, steckt Joan immer mehr zurück. Sie begleitet ihn auf all seinen Reisen, ist für ihn da, wenn er entmutigt ist, akzeptiert seine Seitensprünge. Doch wann ist er für sie da, wenn sie ihn braucht? Und was bestimmt eigentlich ihr Leben abgesehen von ihrem Mann und ihren Kindern? Der Titel des Buches "Die Ehefrau" bekommt während dem Lesen eine immer größere Bedeutung. Mit der Heirat verschwindet immer mehr von Joan und irgendwann ist sie nur noch "die Ehefrau".

Die Handlung selbst ist weder mitreißend noch hochspannend. Das Thema an sich dafür umso mehr. Was bewegt eine Frau dazu sich dermaßen unterzuordnen? Welcher Mann nimmt eine Frau so sehr in Anspruch und merkt nicht, dass er damit dafür sorgt, dass sie sich selbst verliert? Die Fragen, die dieses Buch aufwirft, sind unglaublich wichtig. Durch die authentischen und vielschichtigen Charaktere habe ich mich keine Sekunde gelangweilt.

Der Schreibstil von Meg Wolitzer ist sehr beschreibend und treffsicher in der Wortwahl. Sie ist eine der Autorinnen, bei welchen der Schreibstil heraussticht, bei welchem man sofort merkt "DAS ist Meg Wolitzer" und sich wünscht, selbst so schreiben zu können.

Die Stimme und Tonlage der Hörbuchsprecherin Gabriele Blum waren passend und angenehm.

Fazit: Ein nachdenklich machendes Buch, mit authentischen Charakteren und wichtigen Fragen.

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