Sonntag, 7. Januar 2018

Rezension: Connie Palmen - Du sagst es

Originaltitel: Jij zegt het
Preis Ebook: 18,99 €
Preis Hardcover: 22,00 €
Übersetzung: Hanni Ehlers

Seitenanzahl: 288 Seiten
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3257069747
Erscheinungsdatum: 24. August 2016 

Klappentext  Sylvia Plath und Ted Hughes sind das berühmteste Liebespaar der modernen Literatur – und das tragischste: Denn nach Sylvias Suizid im Jahr 1963 galt sie als Märtyrerin, hingegen ihr Mann als Verräter – eine Schuldzuweisung, zu der er sich zeitlebens nie äußerte. In dieser fiktiven Autobiographie bricht er sein Schweigen. Palmen lässt ihn auf seine leidenschaftliche Ehe zurückblicken und eine Liebe neu beschreiben.

"Du sagst es" ist die fiktive Autobiografie Ted Hughes, in welcher seine Beziehung zu Sylvia Plath beschrieben wird. Ted Hughes (1930 - 1998) war ein bedeutender englischer Dichter und Schriftsteller. Sylvia Plath (1932 - 1963) war Lyrikerin. Ihr einziger Roman "Die Glasglocke" zählt heute zu den Klassikern der Weltliteratur.

Das Buch beginnt mit dem Kennenlernen und endet kurze Zeit nach Sylvia Plaths Suizid. Die Handlung umfasst die komplette Beziehung in chronologischer Reihenfolge. Schon das erste Aufeinandertreffen war bezeichnend für die spätere Beziehung, denn Sylvia soll Ted in die Wange gebissen haben.

"Ich hätte wissen müssen, dass eine Frau, die beißt, statt zu küssen, den, den sie liebt, auch bekämpft." (S. 8)


Schnell ziehen die beiden ungewöhnlichen Persönlichkeiten den Leser in den Bann. Connie Palmen ermöglicht Einblicke in Sylvias und Teds Inneres und vermittelt dadurch ein durchdringendes, allumfassendes Bild in Sylvias und Teds Wesen, welches an Authentizität nicht zu überbieten ist. Sylvia Plath ist eine sehr extreme Frau, von Manien und Depressionen geplagt. Ihre Stimmungsschwankungen sind unberechenbar, können in unterschiedlichster Form jeder Zeit auftauchen. Neben Sylvia ist Ted der Hauptleidtragende.

"Natürlich durchschaute ich selbst auch, dass die Angstattacken, Schweigekriege und Weinkrämpfe - so ernst ich die Wunde nahm, der sie entsprangen - dazu dienten, mich gefühlsmäßig zu manipulieren, aber ich hatte mich schon zu sehr mit der atemberaubenden Vorstellung angefreundet, ihr so wichtig zu sein, dass sie nicht eine Sekunde ohne mich auskommen konnte. (S. 193)

Immer wieder muss er beweisen, dass er nur sie liebt. Ihr versichern, dass sie eine großartige Schriftstellerin ist. Über Sylvias Hass gegenüber Ihrer Mutter schreibt Connie Palmen in Teds Worten:

"Keine Tochter hasst ihre Mutter, ohne sich selbst zu hassen." (S. 131)


Die beiden sind voneinander abhängig, können nicht ohne einander, aber auch nur schwer miteinander bis es zum großen Vertrauensbruch kommt.

 "Der Mann, den sie angebetet und vergöttert hatte, den sie in allem über sich selbst gestellt hatte, war letztlich ein Mann wie alle anderen, ein Lügner, ein ehebrecherischer Betrüger, ein kleiner Mensch." (S. 225/226)

Ted wird zum Buhmann. Zu dem, der in den Augen der Leute Schuld an Sylvias Suizid trägt. 

"Immer sind es die größten Heuchler, die sich über Tadel und Verdächtigungen empören, gegen die die Toten sich nicht mehr wehren können, um dann auf die nächste Überlebenden zu zielen und das Magazin auf sie leerzuschießen. Als könnten die Lebenden sich wehren mit Schmähungen, Verleumdungen, Unterstellungen und Klatsch bombardiert werden, als wäre eine Verteidigung gegen Lügen möglich, solange man sprechen kann. (S. 270)

Das Buch hat eine melancholische, teilweise geradezu depressive und finstere Atmosphäre und berührt nicht zuletzt durch die schöne Sprache Connie Palmens. Ihre Worte sind wundervoll und treffend gewählt.

"Du sagst es" ist nicht im klassischen Sinne spannend. Doch die bereits angesprochene Faszination, die das Paar auf mich ausübte, hielt mich am Lesen und bewirkte, dass ich mich auch nach der Beendigung des Romans noch eine Weile mit Sylvia Plath, Ted Hughes, den gemeinsamen Kindern und dem Leben nach Sylvias Tod auseinandersetzte. 

Fazit: Ein sehr melancholisches und atmosphärisch dichtes Buch über eins der berühmtesten Liebespaare der Literatur, das insbesondere, aber nicht nur für Liebhaber deren Werke empfehlenswert ist.

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